Strafakte: Ansichten, Einblicke und Nachrichten zum Strafrecht
Strafakte.de

Familie Schlecker vor Gericht

Heute beginnt das Strafverfahren gegen Anton Schlecker, seine Ehefrau Christa und die beiden Kinder Lars und Meike, ferner gegen zwei Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young. Die Stuttgarter Schwerpunktstaatsanwaltschaft Wirtschaftskriminalität hat mehrere Jahre ermittelt und wirft dem einstigen Firmenchef in der 270-seitigen Anklageschrift 36 Fälle des Bankrotts (§ 283 StGB), davon 13 besonders schwere Fälle (§ 283a StGB) vor, durch die ein Schaden von 26 Millionen Euro verursacht worden sein soll. Zudem soll Schlecker den Zustand seines Unternehmens in den Jahresabschlüssen 2009 und 2010 falsch dargestellt und vor dem Insolvenzgericht falsche Angaben gemacht haben. Dessen Ehefrau Christa sowie die Kinder sollen Beihilfe zum Bankrott geleistet haben, wobei sich die Kinder auch wegen Insolvenzverschleppung (§ 15a InsO) sowie Untreue (§ 266 StGB) vor dem Landgericht Stuttgart verantworten müssen.

Wegen Bankrotts wird bestraft, wer bei Überschuldung oder (drohender) Zahlungsunfähigkeit Bestandteile seines Vermögens beiseite schafft, die bei Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zur Insolvenzmasse gehören würden. Zunächst sind 26 Hauptverhandlungstage terminiert.

Schlecker, Drogerie, Bankrott, Strafprozess, Prozess, Insolvenz, Insolvenzverschleppung, Stuttgart, Gericht, Landgericht, LG, Untreue, Anton Schlecker, Lars Schlecker, Maike Schlecker, Urteil, Drogeriemarkt

Die gerichtliche Aufarbeitung in Sachen Schlecker-Bankrott beginnt. Foto: tracy the astonishing (CC BY-SA 2.0)

Noch ist vieles unklar im Fall Schlecker

Wie immer in solchen Umfangsverfahren ist eine Prognose hinsichtlich Verfahrensdauer und zu erwartender Strafe schwierig. Für Bankrott in einem besonders schweren Fall sieht § 283a StGB einen Strafrahmen bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe vor. Selbst wenn sich nicht alle 36 Fälle nachweisen ließen, sieht es trotz erstklassiger Besetzung der Verteidigerbank eher nicht nach einer Bewährungsstrafe für den 72-jährigen aus – zutreffend kann dies via „Ferndiagnose“ allerdings kaum beurteilt werden. Es dürfte aber ohnehin nicht vor Herbst 2018 mit einem rechtskräftigen Urteil zu rechnen sein, sofern es keine Überraschungen wie im Fall Hoeneß geben sollte.

Die Verteidigung könnte argumentieren, dass Schlecker bis zum Schluss daran geglaubt habe, sein „Lebenswerk“, welches seinen Namen trägt, retten zu können. Es wird insbesondere um die Frage gehen: Ab welchem Zeitpunkt wusste Schlecker von der drohenden Zahlungsunfähigkeit, welche Verträge durfte er dann noch eingehen, welche Zahlungen dann noch anweisen?

Fragwürdige Geldverschiebungen im Vorfeld der Insolvenz

Über Geldverschiebungen Schleckers im Vorfeld der Insolvenz hatte die Staatsanwaltschaft bereits im November 2015 berichtet, Monate bevor Anklage erhoben wurde. Demnach soll es unter anderem um ein Geldgeschenk in Höhe von 800.000 Euro gehen, das der Unternehmer noch im März 2011 seinen Enkelkindern zugute kommen ließ. Bereits einen Monat später, im April 2011, soll Schlecker einen Privatkredit in Höhe von 30 Millionen Euro erhalten haben, zu einem Zeitpunkt, zu dem er für Banken längst nicht mehr kreditwürdig war.

Über überteuerte Verträge mit dem Logistikunternehmen LDG, dessen Gesellschafter Lars und Meike Schlecker waren, soll Anton Schlecker ferner insgesamt rund 16 Millionen Euro an seine Kinder verschoben und damit dem Zugriff der Gläubiger entzogen haben. Zudem bewertet die Staatsanwaltschaft Posten wie eine Luxusreise nach Antigua für 58.000 Euro, Beraterhonorare für Christa Schlecker in Höhe von 71.000 Euro sowie eine Gewinnausschüttung der LDG in Höhe von sieben Millionen Euro als strafbares Beiseiteschaffen von Vermögenswerten.

Mit dem aktuellen Strafverfahren ist die Aufarbeitung jedoch noch längst nicht abgeschlossen, denn das Finanzamt Ehingen erhebt Steuernachforderungen in Höhe von 68 Millionen Euro aus Kapitalerträgen infolge verdeckter Gewinnausschüttung gegen Meike und Lars Schlecker.

Weiterführende Informationen: Beiseiteschaffen im Sinne der Bankrottvorschriften


Freiheitsberaubung durch Nachsitzen und Sozialadäquanz

Darf heute ein Lehrer Schüler noch „nachsitzen“ lassen? Wo hört zulässige Disziplinierung auf und wo fängt Freiheitsberaubung an? Das sind eigentlich Fragen, die in einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung geklärt werden sollten und nicht vor Gericht.

Lehrer, Lehrkraft, Pädagoge, Freiheitsberaubung, Nötigung, Schule, Unterricht, nachsitzen, Strafarbeit, Gericht, Polizei, Staatsanwaltschaft, Strafanzeige, Strafverteidigung

Lehrer muss sich wegen Freiheitsberaubung vor Gericht verantworten

Dennoch hatte sich im vergangen Jahr ein Musiklehrer einer Realschule in Nordrhein-Westfalen vor dem Amtsgericht Neuss zu verantworten, die Schüler einer sechsten Klasse einen Wikipedia-Eintrag über Niccolò Paganini abschreiben und erst nach Abgabe der Arbeit aus dem Unterricht entlassen zu haben. Der Lehrer habe sich demonstrativ mit einem Stuhl und einer Gitarre auf den Knien in den Türrahmen gesetzt, um so den Ausgang zu versperren. Ein Schüler hatte per Handy die Polizei gerufen und außerdem behauptet, der Lehrer habe einen Schüler geboxt. Der Vorwurf der Körperverletzung erwies sich als nicht haltbar, aber wegen der angeblichen Freiheitsberaubung verwarnte der Strafrichter den Lehrer mit Strafvorbehalt und warmen Worten: Zwar habe der Richter „volles Verständnis“ für den schwierigen Job des Lehrers – dessen ungeachtet erteilte das Gericht ihm die Auflage, sich im Umgang mit undisziplinierten Schülern fortzubilden, andernfalls drohe eine Geldstrafe in Höhe von 1.000 Euro.

Der Musiklehrer ging gegen das Urteil des Amtsgerichts in Berufung und wurde am Freitag vom Landgericht Düsseldorf aus tatsächlichen Gründen freigesprochen. Zuvor hatten die Richter vergeblich versucht, eine Einstellung des Verfahrens zu erreichen und betont, der Sachverhalt sei „ungeeignet, von einem Strafgericht entschieden zu werden“. Einer Einstellung hatte sich die Staatsanwaltschaft aber verschlossen.

Sozialadäquanz der Freiheitsberaubung

Objektiv würde wohl eine Freiheitsberaubung vorliegen, wenn ein Lehrer seine Schüler einsperrt oder auf andere Weise der Freiheit beraubt, solange es sich nicht um eine ganz kurzfristige Beschränkung der Fortbewegungsfreiheit handelt. Die Tathandlung muss allerdings auch rechtswidrig sein, wobei es etwa bei Handlungen in Ausübung des Sorgerechts fehlen soll. Obwohl eine Mittel-Zweck-Relation wie bei der Nötigung hier keine Rolle spielt, so muss doch die Frage gestellt werden, ob sozial vertretbares Handeln auch tatbestandsmäßig sein soll. Einem Lehrer stehen heute kaum noch Mittel zur Disziplinierung zur Verfügung, sie sehen sich vielmehr hilflos der Respektlosigkeit ihrer Schüler gegenüber, die dank antiautoritären Erziehungsstils auch von ihren Eltern einen solchen Respekt nicht immer mehr vermittelt bekommen.

Die Grenze zwischen „gerade noch sozialadäquat“ und „schon rechtswidrig“ verläuft fließend. Dadurch wird der Lehrerberuf mangels Rechtssicherheit quasi zur gefahrgeneigten Tätigkeit, sofern Mami und Papi gleich die „Keule“ des Strafrechts schwingen. Von den Staatsanwaltschaften wird man hingegen ein sensibles Gespür und das richtige Augenmaß verlangen dürfen.


Strafrechtliche Nebenfolgen – mehr als reine Nebensache

Ein Blick auf die bunte Palette möglicher Nebenfolgen legt nahe, nicht nur im Strafgesetzbuch, sondern auch in anderen Rechtsgebieten nach ihnen zu suchen. Nebenfolgen sind schon begrifflich eine Folge neben der eigentlich verhängten Strafe. Sie deswegen aber als das kleinere Übel zu betrachten, wäre in den einigen Fällen wohl verfehlt.

Strafrecht, Nebenfolge, Nebenfolgen, Urteil, Entziehung, Jagdschein, Waffenschein, Erlaubnis, Gewerbeerlaubnis, Führerschein, Pilotenschein

Strafrechtliche Nebenfolgen ergehen auf richterliche Anordnung und als gesetzliche Folge der Verurteilung. Regelmäßig werden Nebenfolgen sogar erst in einem von der Verurteilung ausgelösten behördlichen Verfahren ausgesprochen. Dass die Nebenfolgen einen Verurteilten härter treffen können als die als vom Gericht verhängte Hauptstrafe, hat der Gesetzgeber erkannt, so etwa beim Fahrverbot, wo die Nebenfolge demnächst zur Nebenstrafe wird.

Die Nebenfolgen folgen dem Urteil

Die Bedeutung der Nebenfolgen wird offensichtlich, wenn man die beträchtlichen Grundrechtseingriffe betrachtet, die beispielsweise mit dem Verlust des Führerscheins oder einem Berufsverbot einhergehen. Das Gericht muss daher alle Nebenfolgen einer Verurteilung – nicht nur die von diesem selbst angeordneten – in der Strafzumessung berücksichtigen. Selbstverständlich muss auch die Verteidigung mögliche Nebenfolgen im Blick behalten, da diese den Mandanten zusätzlich zur eigentlichen Strafe schwer belasten können.

Ergibt sich für den Verurteilten schon aus der Höhe der Geld- oder Freiheitsstrafe eine Aussage über die Sanktionsschwere, so sind die Nebenfolgen manchmal etwas versteckter. Denn schon eine relativ geringe Geld- oder Freiheitsstrafe eröffnen den Verwaltungsbehörden unter dem Stichwort „Zuverlässigkeit“ Ermessens- und Handlungsspielräume – so etwa im Gewerberecht (§ 35 GewO), im Jagdrecht (§ 17 BJagdG) oder im Waffenrecht (§ 5 WaffG).

Eine gewollte Nebenfolge – die Bindung der Behörde durch das Urteil

In einem sich dem Strafverfahren anschließenden Verwaltungsverfahren können jedoch nicht alle entscheidungsrelevanten Tatsachen erneut geprüft werden. Ein rechtskräftiges Strafurteil hat nämlich hinsichtlich der getroffenen Tatsachenfeststellungen bindende Wirkung.

Die gerichtliche und die behördliche Entscheidung sollen auf gleichen Tatsachenfeststellungen beruhen. Dies ist auch wünschenswert, denn immerhin ist damit eine gerichtliche Entscheidung Maßstab behördlichen Handelns. Allerdings erhöht sich so auch die Bedeutung einer effizienten und umfassenden Verteidigung im Strafverfahren. Fehlerhafte oder unzutreffende Tatsachenfeststellungen werden zugleich im behördlichen Verfahren negative Konsequenzen nach sich ziehen. Ein Wiederaufleben einer eigenverantwortlichen Prüfungskompetenz der Behörde wird man wohl nur erhoffen können, wenn im Strafverfahren beweiserhebliche Tatsachen übersehen oder nicht erwähnt wurden.

Die Thematik berührt nicht nur den Widerruf von Genehmigungen, Untersagungen und Sperren. Sie entfaltet ihre Wirkung auch in Bereichen wie zum Beispiel dem Beamten- und Disziplinarrecht. So schön die bunte Palette möglicher Nebenfolgen für die Strafverfolgungsorgane auch sein mag, so bunt und vielfältig werden auch die selten positiven Auswirkungen für den Verurteilten sein – auch das als gewollte Nebenfolge etwa in einem Steuerstrafverfahren.

Eintrag in das Führungszeugnis (Bundeszentralregister)

Der Eintrag in das sog. Führungszeugnis ist keine Nebenfolge im eigentlichen Sinne, sollte aber dennoch stets im Auge behalten werden – gerade wenn ein Jobwechsel vor der Tür steht. Bei Ersttätern erfolgt eine Eintragung regelmäßig bei einer Geldstrafe von über 90 Tagessätzen oder aber bei einer Freiheitsstrafe von über 3 Monaten.


LenaLeaks: Wer hat strafrechtlich was zu befürchten?

Man kommt um die Erpressung von Lena Meyer-Landrut mit Nacktfotos in den letzten Tagen einfach nicht herum – die Medien sind voll mit dem Thema. Es stellt sich die Frage, was schlimmer ist: die Veröffentlichung der Fotos in irgendwelchen Internetforen oder der Medienhype darum. „Bild plus“ verkauft mit Sicherheit jede Menge ihrer Abos mit den News, die keine sind, denn genaues weiß man nicht. Angeblich hatten dessen Reporter Kontakt zu dem Erpresser und haben das Material samt der E-Mail Kontaktadresse der Staatsanwaltschaft Berlin übergeben.

Was hat der LenaLeaks-Erpresser zu befürchten?

Der Erpresser soll die Fotos auf einem MacBook „gefunden“ haben, welches er gebraucht gekauft haben will. Dieses soll aus einem Diebstahl stammen, das Unbekannte aus dem Auto von Lenas Freund entwendet haben sollen. Der Erpresser muss somit nicht notwendigerweise auch der Dieb sein, könnte aber wegen Hehlerei zu bestrafen sein, wenn sich herausstellt, dass er wusste, dass es sich um Diebesgut handelte. Zu denken ist auch an Datenhehlerei, § 202d StGB.

Im eben angeführten Medium kann man nach entsprechender Bezahlung lesen:

„Fakt ist: Dem bislang unbekannten Täter droht eine empfindliche Strafe, u. a. wegen Erpressung.“

Aber ist das wirklich so? Für Erpressung, geregelt in § 253 StGB, sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe vor. Nach allem, was nun aus den Medien bekannt ist, wurde es abgelehnt, Geld an den Erpresser zu zahlen. Es würde sich demnach nur um eine versuchte Erpressung handeln, weshalb die Strafe gemäß § 23 StGB in Verbindung mit § 49 Abs. 1 StGB gemildert werden kann. Sollten mehrere Personen (mindestens drei) hinter der Erpressung stecken, käme allerdings ein besonders schwerer Fall in Betracht.

Natürlich kann keine konkrete Strafe vorhergesagt werden: Eine Geldstrafe dürfte zwar sicher ausscheiden, aber ob wirklich eine Freiheitsstrafe von mehr als zwei Jahren verhängt werden wird, die nicht zur Bewährung ausgesetzt werden kann, ist auch bei einem Erwachsenen keineswegs sicher. Handelt es sich etwa um einen Jugendlichen oder Heranwachsenden von unter 21 Jahren, ist durchaus eine vergleichsweise milde Jugendstrafe denkbar. Entscheidend dürfte sein, wieviel Geld er erpressen wollte und wie er genau vorgegangen ist.

Lena Meyer-Landrut, Lena, LenaLeaks, Lena Leaks, Nacktfotos, Nackt, Erpresser, gestohlen, Erpressung, Diebstahl, Bilder, Fotos, Strafrecht, Verletzung des höchstpersönlichen Bildbereichs durch Bildaufnahmen, Medienstrafrecht

Lena Meyer-Landrut bei ihrem letzten öffentlichen Auftritt vor einer Woche Foto: Raimond Spekking (CC BY-SA 4.0)

Welche Strafe droht für die Veröffentlichung der Nacktfotos?

Die Veröffentlichung von Fotos, die den „höchstpersönlichen Lebensbereich“ verletzen, ist nach § 201a StGB strafbar. Allerdings wurden die Fotos nicht unbefugt hergestellt, wie § 201a Abs. 1 Nr. 1 StGB fordert, sondern befugt mit dem (früheren) Einverständnis der abgebildeten Person oder durch sie selbst. Allerdings wird das Zugänglichmachen von befugt hergestellten Fotos nach § 201a Abs. 1 Nr. 4 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Klingt an sich jetzt recht harmlos, man muss sich aber vergegenwärtigen, dass jede einzelne Veröffentlichung eine neue Tat darstellt und sich eine beachtliche Anzahl von Einzeltaten ergeben dürfte, wenn der Erpresser jeden Tag ein paar Fotos veröffentlicht. Jede Einzeltat wird mit dem erwähnten Strafrahmen geahndet, wobei aus diesen eine Gesamtstrafe gebildet wird.

Und alle anderen?

Jeder, der die Fotos veröffentlicht oder weiterverbreitet, macht sich nach § 201a Abs. 1 Nr. 4 StGB strafbar. Ausreichend ist schon das Versenden eines einzigen Bildes per WhatsApp an nur eine andere Person oder natürlich an eine Gruppe von mehreren Personen. Die Strafe dürfte in einem solchen Fall recht niedrig ausfallen, wenn sie überhaupt verfolgt wird. Erstattet aber der Empfänger oder jemand, der das mitbekommt, Strafanzeige, wird diese auch von der Polizei und Staatsanwaltschaft verfolgt werden. Auch nicht unwichtig zu wissen: Der Bildträger, etwa das Smartphone, kann eingezogen werden und würde dem Eigentümer nach dem Verfahren nicht wieder ausgehändigt werden. Und ja, das gilt auch, sollte das Foto sofort gelöscht worden sein, sofern es gelingt, dieses wieder herzustellen. Hinzu kommen enorme Kosten für einen Sachverständigen, dessen sich die Staatsanwaltschaft für die Auswertung bedient.

Und das bloße Anschauen der Fotos?

Der bloße Konsum, also das Ansehen der Fotos im Internet ohne sie selbst irgendwie weiterzugeben, ist straflos. Ob das moralisch in Ordnung ist, muss jeder für sich selbst beurteilen.

Ein Rat zu guter Letzt: Jeder Datenträger, auf dem solche privaten Fotos gespeichert werden, sollte mit einem sicheren Passwort verschlüsselt werden, um nicht selbst in diese Situation zu geraten. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass kein automatischer Upload in die Cloud (iCloud, Google Fotos, Dropbox) erfolgt, wo diese Fotos dann wiederum potentiell unsicher sind. Es ist dringend zu raten, rechtzeitig professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Nachtrag: Völlig unklar ist, warum ein Rückkauf des MacBook bisher nicht erfolgreich realisiert werden konnte. Der Erpresser hatte diesen dem Management angeboten. Da es dem Erpresser „nur ums Geld“ gehen soll, wäre das eine erfolgversprechende Option, die Veröffentlichungen zu stoppen. Vielleicht gibt es hier ja auch bald einen Erfolg zu vermelden.


Wenn das die RichterInnen von morgen sind …

Wenn Alice Schwarzer einen juristisch angehauchten Vortrag zum Thema „(Sexual)Gewalt gegen Frauen und Recht“ an der Universität Köln hält, darf man wohl nicht allzu viel erwarten. Oder: Man muss sich auf einiges gefasst machen. Und so referierte sie auf Einladung der Kölner Strafrechtsprofessorin Elisa Hoven munter über eine „Männerjustiz“ und Vergewaltigung als heute angeblich quasi straffreies Verbrechen.

Diese These sollten vermeintlich stichhaltige Zahlenspiele untermauern, die nun seit etwa zwei Jahren immer wieder durch die Presse geistern, aber dennoch nicht wahrer werden. Die Dunkelziffer ist nach Schwarzer so hoch, dass überhaupt nur jede zwölfte Vergewaltigung angezeigt werde und dann nur etwa jeder zehnte Beschuldigte auch verurteilt werde: „So komme ich letztendlich, das können Sie nachrechnen, darauf, dass nur jeder 100. Vergewaltiger verurteilt wird.“

Ein halbwegs kritisches Publikum mit angehenden Juristen hätte freilich darüber nachdenken können, ob eine Dunkelziffer nicht vielleicht deshalb so heiße, weil eben die genauen Zahlen nicht bekannt sind, sondern im Dunkeln bleiben – übrigens auch für Alice Schwarzer. Es fragt auch niemand nach, ob man dieses Problem dadurch beheben könnte, indem man einfach ein paar Unschuldige einsperrt. Denn eines darf man getrost versichert sein: Kein Staatsanwalt oder Richter in diesem Lande lässt einen Vergewaltiger leichtfertig laufen, wenn nur die entfernte Möglichkeit besteht, ihm die Tat nachzuweisen. Ein trauriges Lied davon kann Jörg Kachelmann singen, der in Mannheim wegen Vergewaltigung vor Gericht stand, am Ende rechtskräftig freigesprochen wurde und der an diesem Abend zum Lieblingsthema von Alice Schwarzer gehörte. Die Feministin begleitete ausgerechnet für die sexistischste aller Tageszeitungen diesen Prozess – sozusagen aus Opfersicht. Inzwischen wurde der Verlag zu einem sechsstelligen Schmerzensgeld wegen Verletzungen des Persönlichkeitsrechts von Kachelmann verurteilt.

„Es gibt auch manchmal weibliche Verbrecherinnen“

Nach dem Vortrag – so gehört es sich schließlich – sollte über das Thema diskutiert werden. Es erhob sich ein Mann und leitete seinen Zwischenruf ein mit den Worten: „Danke, dass ich heute Abend hier sein darf. Ich habe meinen Namen oft gehört…“.

Schwarzer fragte verdutzt, geblendet durch das Scheinwerferlicht: „Wer sind Sie denn, Lieber?“. Antwort: „Mein Name ist Jörg Kachelmann.“ Er nutzte die legitime Chance, sich zu verteidigen. Denn Frau Schwarzer hatte u.a. offenbar vergessen zu erwähnen, dass das Oberlandesgericht Frankfurt/Main mittlerweile die damalige Anzeigeerstatterin zu Schadensersatz verurteilt hat, in einem Zivilprozess, in dem Kachelmann beweispflichtig war, dass die Beschuldigung bewusst frei erfunden und erlogen war. Man könnte meinen, dass angehende Juristen diesen – nun veränderten – Sachverhalt anerkennend zur Kenntnis nehmen. Aber nein, es gab Pfiffe und Buh-Rufe, als Kachelmann seine Ex-Freundin als das bezeichnet, was sie nun einmal ist: eine Falschbeschuldigerin. Offensichtlich passte das einigen Anwesenden nicht in ihr feministisches Weltbild. Dennoch führt Kachelmann unbeirrt aus: „Ich bin Opfer eines Verbrechens geworden“.

Dass jedem, der derart angegriffen wird, das Recht auf Erwiderung zugestanden werden muss, scheint an diesem Abend von einigen Anwesenden nicht begriffen zu werden.

„Die einzige vorbestrafte Täterin sitzt da vorne“

Die gute Nachricht, die nach Gerechtigkeit suchende künftige Juristen eigentlich erfreuen sollte, verhallt ungehört, dass nun in Mannheim strafrechtlich gegen die Falschbeschuldigerin Claudia D. ermittelt werde. Kachelmann schließt seine Replik mit Worten in Richtung Alice Schwarzer: „Es gibt hier drinnen nur eine verurteilte, vorbestrafte Täterin und die sitzt da vorne.“ Das AG Köln hatte gegen Schwarzer im Juli 2016 einen Strafbefehl wegen Steuerhinterziehung erlassen.

Dass Kachelmann vom Landgericht Mannheim freigesprochen wurde, resultiert für Schwarzer nicht etwa aus der Unschuld Kachelmanns, sondern aus dem Umstand, dass namentlich „Die Zeit“ schon früh und umfassend über diese Defizite berichtet und somit Ergebnisdruck auf die Verfahrensbeteiligten aufgebaut hätte. Und überhaupt: „So mancher Gutachter oder Journalist kann parteiisch sein, weil er selbst Sympathisant oder gar Täter ist. Denn irgendwo müssen die ja sein, die Millionen Täter der Sexualverbrechen.“

Diesen Unfug konnte auch Johann Schwenn nicht unkommentiert stehen lassen und wies darauf hin, dass die entscheidenden Sachverständigen vom Gericht und nicht etwa der Verteidigung bestellt wurden. Dagegen sei die von Schwarzer vielgelobte „Traumatologie“ keine anerkannte Wissenschaft, wie auch der Bundesgerichtshof festgestellt hat (etwa BGH 5 StR 319/10).

RichterInnen von morgen

Angegriffen parierte Schwarzer: „So tief sitzt das? So ein leidenschaftliches Ding ist das, dass die beiden Herren aus Hamburg und Zürich angereist sind? Ich hoffe, Sie verstehen das richtig, ich meine es sogar ernst: Irgendwo bin ich gerührt.“ Kachelmann erwiderte später dazu: „Jeder, der auch nur die Empathie eines abgetauten Kühlschranks hat, kann nachvollziehen, dass mich das, was mir passiert ist, berührt. So etwas berührt und zerstört Menschen.“ Es bleibt zu hoffen, dass an diesem Abend viele fachfremde Studierende die Aula füllten und die an den juristischen Fakultäten heranwachsenden RichterInnen nicht diese Art des radikalen Feminismus annehmen. Denn wer (Sexual)Gewalt nur auf die gegen Frauen verengt, sollte besser nicht eines Tages über Recht und Gerechtigkeit urteilen und Menschen verurteilen dürfen.

Ausführlich: „Die Vortragscrasher“ von Constantin van Lijnden (Zeit Online)