Anklage wegen Vortäuschen einer Straftat - Strafakte.de
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Frau nach erfundener Vergewaltigung wegen Vortäuschens einer Straftat angeklagt

Der Fall hatte im letzten Jahr bundesweit für Schlagzeilen gesorgt: Eine damals 22-jährige Auszubildende hatte bei der Polizei detailreich geschildert, sie sei von drei Männern in Regensburg verschleppt und vergewaltigt worden. Danach habe man sie nackt aus dem Auto geworfen.

Sechs Wochen fahndete die Kriminalpolizei erfolglos mit hohem Personaleinsatz und Phantombildern nach dem vermeintlichen Vergewaltiger und seinen Komplizen. Gegen drei Männer, die kurzzeitig ins Visier der Polizei geraten waren, ließ sich der Tatverdacht nicht erhärten. Anfang September stand dann für die Polizei und Staatsanwaltschaft fest: Die Vergewaltigung war frei erfunden, die Motive der Frau blieben allerdings im Dunkeln.

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Auch wenn Fragen offen bleiben: Die Vergewaltigung war frei erfunden // Foto: Lutz Stallknecht / pixelio.de

Woher stammten die erheblichen Verletzungen?

Schon früh hatten sich in der Schilderung der Frau zum Tathergang wohl Ungereimtheiten gefunden. Gegen das Vortäuschen einer Straftat sprachen allerdings die erheblichen Verletzungen der Frau, die eine Woche lang stationär behandelt werden mussten. Wie es zu den Verletzungen kam, ist bis heute noch unklar. Die Ermittlungen gestalten sich deshalb besonders schwierig, weil die junge Frau nunmehr beharrlich jede Auskunft verweigere. Ein Verhalten, das übrigens häufiger anzutreffen und keinesfalls selten ist.

Wie erst jetzt bekannt wurde, hat die Staatsanwaltschaft Regensburg bereits Ende April Anklage wegen Vortäuschens einer Straftat gegen die mittlerweile 23-jährige Frau erhoben. Darüber hinaus wirft die Staatsanwalt ihr Betrug vor: Die Frau hatte sich nach der vorgetäuschten Tat an den „Weißen Ring“ gewandt und von diesem 250 Euro in bar als „Soforthilfe“ sowie einen 150-Euro-Scheck für die Beratung bei einem Rechtsanwalt erhalten.

Die Zahl von Falschbeschuldigungen nimmt deutlich zu

Die Zahl an Falschbeschuldigungen wegen sexuellen Missbrauchs oder Vergewaltigung nehmen in Deutschland spürbar zu. Das Institut für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf untersucht pro Jahr rund 1.500 Verletzte. Früher sei man in der Rechtsmedizin davon ausgegangen, dass es sich bei fünf bis zehn Prozent der vermeintlichen Vergewaltigungen um Falschbeschuldigungen handelte, so der Direktor des Instituts Prof. Klaus Püschel. „Erfahrungsgemäß haben wir in den letzten Jahren einen gewissen Anstieg sogenannter Fake-Fälle zu verzeichnen, bei denen Personen sich selbst zugefügte Wunden präsentieren und dann behaupten, einem Verbrechen zum Opfer gefallen zu sein.“ Der Zeugen­beweis könne in diesen Fällen „hoch problematisch“ sein. In großem Maße komme es daher auf die Rechtsmedizin an: „Man muss sehr genau auf die Verletzungen achten. Und das Spurenbild muss richtig bewertet werden.“

Aber nicht nur die Rechtsmedizin ist gefordert, insbesondere auch die Polizeibeamten müssen sich ihrer Arbeit gewachsen zeigen. Das ist keineswegs immer so – selbst in Fachkommissariaten für Sexualstraftaten finden sich hin und wieder Beamte, die sich allzu leichtgläubig zeigen. Strafanzeigen angeblicher Opfer werden unkritisch entgegengenommen. Nicht nur geeignete Nachfragen, sondern auch Maßnahmen der Beweissicherung unterbleiben. Dafür wird unverhohlen die Partei der Anzeigeerstatterin ergriffen. Für den zu Unrecht Beschuldigten kann die Falschbeschuldigung jedoch existenzvernichtend sein.

In einem Fachkommissariat tätige Beamte soll­ten mit der Er­kenntnis vertraut sein, dass gezielte Falschbezichtigungen oftmals mit einem beeindruckenden Inszenierungsaufwand vorgetragen und die Verhörsperson auf solche Weise davon abgehalten werden soll, Anhaltspunkte für die Unwahrheit des Anzeigevorbringens aufzugreifen und gerade deshalb abenteuerlich anmutende Behauptungen für bare Münze zu nehmen.

Motive für das Vortäuschen einer Straftat

Zurecht fragt man sich, aus welcher Motivation heraus die falschen Opfer handeln. Die Motive können dabei vielfältig sein und reichen von einer gezielten falschen Anschuldigung aus Rache oder im Streit um das Sorgerecht bis zu einer diffusen Anschuldigung, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Ursächlich dafür kann eine psychiatrische Erkrankung – wie etwa die Borderline-Persönlichkeitsstörung – sein, die regelmäßig u.a. mit selbstverletzendem Verhalten einhergeht.

Auch in der Praxis des Strafverteidigers sind die Fälle keineswegs selten, in denen der Mandant glaubhaft versichert, die ihm vorgeworfene Tat nicht begangen zu haben. Manchmal wird das Rahmengeschehen – ein Treffen auf rein sexueller Basis (One-Night-Stand) eingeräumt – aber bestritten, irgendwie Gewalt angewendet zu haben. Es kommt dann darauf an, sehr sorgfältig zu prüfen, was für und gegen die jeweiligen Schilderungen spricht. In einem aktuellen Fall passten die Entkleidungsverletzungen nicht zum berichteten Geschehen des vermeintlichen Opfers und auch die Aussage konnte nicht als konstant bezeichnet werden, so dass nicht von einer erlebnisbasierten Schilderung auszugehen war. Ein aussagepsychologisches Gutachten ist dann meist das letzte Mittel, die Glaubwürdigkeit der vermeintlich Geschädigten zu erschüttern.

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3 Kommentare zu “Frau nach erfundener Vergewaltigung wegen Vortäuschens einer Straftat angeklagt

  1. Die Er­mitt­lun­gen ge­stal­ten sich des­halb be­son­ders schwie­rig, weil die junge Frau nun­mehr be­harr­lich jede Aus­kunft ver­wei­gere. Ein Ver­hal­ten, das üb­ri­gens häu­fi­ger an­zu­tref­fen und kei­nes­falls sel­ten ist.

    Das ist vor dem Hintergrund der Ermittlungen/Anklage gegen die Frau allerdings nicht nur nicht selten, sondern auch nicht verwunderlich. Eher empfehlenswert.

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  2. Nachdem Sexualstraftaten gesellschaftlich inzwischen schlimmer als Mord gehandelt werden und trotz der schwierigen Beweisvoraussetzungen für angebliche Opfer sofortige Mitleidsbekundungen folgen, während für angebliche Täter (Kachelmann) schwerste Sanktionen folgen, ist es kein Wunder, dass insbesondere Frauen in diese Trickkiste greifen.
    Justizminister Maas will den Mordtatbestand verändern, weil Frauen eher „heimtückisch“, beispielsweise mit Gift morden. Angeblich aufgrund ihrer körperlichen Unterlegenheit.
    Diese Form der Heimtücke findet sich auch in den perfiden Anschuldigungen vornehmlich weiblicher „Opfer“, die behaupten von Männern vergewaltigt worden zu sein.
    Man muss konzedieren, dass es keinen Tatvorwurf gibt, mit dem man mit weniger Risiko dass Leben eines anderen so nachhaltig zerstören kann wie mit dem einer Sexualstraftat. Selbst wenn sich in einem Verfahren die Unschuld des angeblichen Täters herausstellen sollte.

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