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Auf dem rechten Auge blind?

Bei einer gezielten Überprüfung von 3.300 bislang ungeklärten, vollendeten oder versuchten Tötungsdelikten haben Bundeskriminalamt und die Landespolizeibehörden in fast 800 Fällen Anhaltspunkte „für eine mögliche politische rechte Tatmotivation“ entdeckt. Sind die sogenannten NSU-Morde also nur die Spitze des Eisbergs?

Nach der Aufklärung der Mordserie des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) war eine generelle Überprüfung aller ungeklärten Tötungsdelikte zwischen 1990 und 2011 ohne Tatverdächtige veranlasst worden. Es sollte untersucht werden, ob die in diesen Fällen ermittelnden Beamten vielleicht auf dem rechten Auge blind waren oder Verbrechen aus rechter Gesinnung schlicht „nicht auf dem Schirm“ hatten.

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Waren die deutschen Ermittlungsbehörden jahrelang auf dem rechten Auge blind ? // Grafik: Uli Söhnel

Die ungeklärten Fälle wurden beim Bundeskriminalamt anhand eines eigens dafür entwickelten Indikatorenkataloges „einem umfangreichen Datenabgleich unterzogen“, dessen Ergebnisse in nächster Zeit an die Landeskriminalämter zu weiteren Ermittlungen übergeben werden. Mitte 2014 soll dann geprüft werden, ob ein entsprechender Datenabgleich auch auf andere Delikte wie Sprengstoffanschläge oder Banküberfalle ausgeweitet werden soll.

Bislang gingen die Behörden von 60 Morden mit rechtsextremem Hintergrund seit der Wiedervereinigung aus – darin enthalten auch die 10 Morde, die der NSU zur Last gelegt werden. An der niedrigen Zahl war in den vergangenen Monaten und Jahren häufig Kritik laut geworden.

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2 Kommentare zu “Auf dem rechten Auge blind?

  1. Noch viel mehr Angst macht mir, dass es offensichtlich über 3.000 (!) ungeklärte Tötungsdelikte in etwa 20 Jahren gibt…

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