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Menschlich gesehen eine Null

Sollte jeder Mensch, sei seine Prognose auch noch so schlecht, das Recht haben, irgendwann wieder aus der Haft entlassen zu werden? Das Bundesverfassungsgericht bejaht dies (BVerfGE 45, 187): „Zu den Voraussetzungen eines menschenwürdigen Strafvollzugs gehört, dass dem zu lebenslanger Freiheitsstrafe Verurteilten grundsätzlich eine Chance verbleibt, je wieder der Freiheit teilhaftig zu werden.“

Eine Dreiviertelstunde nahm sich die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Arnsberg gestern Zeit – dann stand fest: Dieter Degowski, einer der beiden Geiselnehmer von Gladbeck, bleibt weiter im Gefängnis. Am 22. März 1991 wurde er vom Landgericht Essen zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Bereits im Jahr 2002 hatte er einen Antrag auf vorzeitige Entlassung aus der Haft gestellt, die vom Oberlandesgericht Hamm „wegen der besonderen Schwere der Schuld“ jedoch abgelehnt wurde. Die Haftdauer wurde auf mindestens 24 Jahre festgelegt – diese Zeit ist nun verstrichen.

Trotzdem sei mit einer baldigen Haftentlassung nicht zu rechnen, verkündigte gestern seine junge Anwältin Lisa Grüter. Insbesondere hatte sich der Gutachter Norbert Leygraf gegen eine Freilassung des heute 57-Jährigen Degoswki ausgesprochen: Er sei zwar therapiewillig, aber intellektuell nicht dazu in der Lage, sich therapieren zu lassen.

Noch deutlicher wird der Anstaltsleiter Michael Skirl gegenüber „Focus“: Degowski habe „die Therapien bei uns nur angekratzt, und er ist dissozial (…) Er ist menschlich gesehen eine Null. Er ist wehleidig. Und ein klassischer Mitläufer.“ Zu seiner in der JVA abgeschlossenen Lehre als Koch sagte der Anstaltsleiter: „Die haben ihn nur bestehen lassen, damit er auch mal ein Erfolgserlebnis hat.“ Das Essen habe seinen Lehrmeistern nie geschmeckt …

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3 Kommentare zu “Menschlich gesehen eine Null

  1. Es sind sonderbare Kategorien und sonderbare Kriterien, in denen Michael Skirl hier spricht. Vielleicht möchte Degowski in der Haftanstalt überhaupt nicht seine menschliche Seite offenbaren. Zu schade, dass sein Essen nicht zu überzeugen vermag. Wer sich derart abfällig wertend über Menschen äußert, die ihm ausgeliefert sind, wie Skril, der sagt vielleicht mehr über sich selbst und seine charakterliche Eignung aus, als über den eigentlich Verurteilten.

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