Im Jugendknast: 8,50 m² Leben - Strafakte.de
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8,50 m² Leben im Jugendknast

Häufig hört man davon, dass der Strafvollzug einem „Hotelaufenthalt“ ähneln würde, es den Verurteilten ohnehin viel zu gut ginge. Gemessen an den Verhältnissen in China, Russland oder der ehemaligen DDR mag das stimmen – aber das Leben hinter Gittern ist ein hartes.

Das authentische Leben im Jugendknast

Der Dokumentarfilm „8,50 m² Leben“ von Gefängnispfarrer Alexander Titz portraitiert Insassen und Justizbeamte der JVA Ebrach, einer Jugendstrafanstalt mit 337 Plätzen im Freistaat Bayern. Er zeigt das authentische Leben im Jugendknast. Titz, der den Film praktisch allein auf die Beine gesellt hat, kennt die Justizvollzugsanstalt, geht dort seit mittlerweile über zehn Jahren als evangelischer Gefängnispfarrer ein und aus. Hierher kommen verurteilte Jugendliche jeden Kalibers – vom kleinen Dealer über den Vergewaltiger und Totschläger bis zum U-Bahn-Mörder.

Die Anstalt wurde 1851 in den Gebäuden des ehemaligen Klosters Ebrach errichtet. In einem Einzelhaftraum leben die Gefangenen auf 8,50 Quadratmetern Grundfläche tagein, tagaus – „wie ein Hund in einem Zwinger“, vergleicht es ein Insasse im Film. Keinerlei Privatsphäre, kaum ein nettes Wort, teilweise erniedrigende körperliche Untersuchungen und vor allem kein Mitleid, frei nach dem Motto „Du bist selber schuld, dass du hier bist“.

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Der Film beantwortet viele Fragen: Wie ist es möglich, auf solch einer kleinen Fläche leben zu können? Wie arrangiert man sich mit den Haftbedingungen im Jugendknast, unter Umständen 20 Stunden am Tag weggesperrt zu sein – in einem Raum, der innen weder eine Türklinke noch ein Türschloss hat? Wie verändert das einen Menschen, sein Leben, seine Psyche? Die Antworten darauf kommen in beklemmenden Interviews mit den „Hauptdarstellern“: den drei Häftlingen Andreas, Sven und Yasin, verschiedene JVA-Bediensteten und dem Würzburger Rechtswissenschaftler, Kriminologe und Richter, Prof. Dr. Klaus Laubenthal.

Der Dokumentarfilm weckt beim Zuschauer Emotionen, macht betroffen und deckt die oftmals ganz banalen Missstände bei den Haftbedingungen auf. Noch nie hat ein Film den Alltag hinter Gittern so persönlich und realitätsnah abgebildet.

8,50 m² Leben from Alexander Titz on Vimeo.

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