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Herr Oberstaatsanwalt, sind Sie der liebe Gott?

Vor dem Landgericht Hamburg findet zur Zeit das Strafverfahren gegen die Eltern der getöteten Yagmur statt. In der Hauptverhandlung wurde jetzt ein Brief der angeklagten Mutter verlesen, den sie nach Anklageerhebung an den zuständigen Oberstaatsanwalt Michael Abel sandte:

„Es ist eine Unverschämtheit, mich wegen Mordes anzuklagen. Sind Sie der liebe Gott?

Waren Sie an dem Abend da? Haben Sie den Tritt gesehen? Nein, aber ich. Zeugen sind meine Augen und der liebe Gott (…) Mein Mann behauptet, es wäre ein Unfall, aber er hat den Tritt verursacht (…) Mord und Totschlag sind falsche Anklagen gegen mich. Mein Gewissen ist rein.“

Der Schlusssatz des Briefes lautet: „PS: Lesen Sie die Geschichte von Jesus.“

Mutter unter Mordverdacht

Die Mutter wird des Mordes ihrer dreijährigen Tochter beschuldigt (§ 211 StGB), der Vater der Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen (§§ 227, 13 StGB). Die Anklage stützt sich im Wesentlichen auf eine WhatsApp-Nachricht, die die Mutter wenige Tage vor dem Tod des Kindes an den Vater schickte und in der sie von ihrem Hass auf das gemeinsame Kind schreibt. Weil ihr Mann sie wütend mache, lasse sie diese Wut an Yagmur aus. Die Mutter behauptet dagegen, der Vater habe diese Nachricht mit ihrem Handy geschrieben, um den Verdacht auf sie zu lenken.

Nach der Tat wurde zunächst der Vater des Mordes an dem Mädchen verdächtigt. Doch einige Zeugenaussagen und die Auswertung der Handy-Nachrichten führten zu einem Umdenken bei der Staatsanwaltschaft und zu einer Mordanklage gegen die Mutter.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Die angeklagten Eltern schweigen bisher vor Gericht. Deshalb wurden gestern die Protokolle der Aussagen vor dem Haftrichter verlesen, in denen sich die Eltern gegenseitig beschuldigen. Der Vorsitzende Richter merkte dazu an, dass er die früheren Aussagen lediglich verlese – für eine Bewertung sei es noch viel zu früh.

Es wird sicherlich nicht einfach werden, hier zu einem Urteil zu gelangen. Die Kammer hat noch 19 weitere Verhandlungstage anberaumt. Mit dem Urteil wird erst Ende September gerechnet.

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2 Kommentare zu “Herr Oberstaatsanwalt, sind Sie der liebe Gott?

  1. „er hat den Tritt verursacht“ heißt ja nicht unbedingt:er hat selbst getreten. Einfach wird das sicher nicht.

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