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Es mangelt an qualifiziertem Nachwuchs

Bankraub erfordert Durchsetzungsvermögen, Tankstellen zu überfallen Kaltblütigkeit und Autos zu knacken technisches Verständnis. An qualifiziertem Nachwuchs mangelt es allerdings in der Branche, befindet Sara Schurmann im Tagesspiegel.

Unqualifizierter Nachwuchs

Der Mangel an qualifiziertem Nachwuchs verschärfe sich insbesondere auch unter Ganoven und führe zu einem eklatanten Fachkräftemangel, wie ein Blick in die Polizeimeldungen von Berlin der vergangenen Tage offenbarte: So sollte ein Bankräuber seine Berufswahl überdenken, der in Berlin-Friedrichsfelde statt dem großen Zaster lediglich Münzen erbeutete. Daraufhin versuchte er sich ein weiteres Mal am Montag in Buch. Jedoch wurde er mit der Ansage, es gebe hier nichts zu holen, nach Hause geschickt. Durchsetzungsfähigkeit: ausbaufähig.

Ein 18-jähriger Tankstellenräuber in Spandau bekam am Freitag immerhin zwar Geld, dann aber Gewissensbisse. Er wurde von den warmen Worten der Angestellten geradezu überwältigt. Der Berufseinsteiger nahm daraufhin die Maske ab, umarmte die Kassiererin – zog dann aber erst mal mit der Beute ab. Als ihn sein Gewissen quälte, trieb es ihn zurück an den Ort der Tat. Er gab das Geld zurück, wollte sich beim Besitzer entschuldigen. Als er am Sonntag erneut die Tankstelle besuchte, nahm die Polizei ihn fest. Kaltblütigkeit: mangelhaft.

Nachwuchs

Nicht nur kriminelle Nachwuchssorgen, auch die andere Seite sucht Nachwuchs // Foto: FotoHiero / pixelio.de

Wenig professionell agieren auch mehrere Nachwuchskräfte. Ein Handy, was sie ihrem Opfer abgenommen hatten, erschien ihnen veraltet – sie gaben es besser gleich zurück. Der Geschädigte freute sich und verständigte damit sofort die Polizei. Tatplanung: nicht vorhanden.

Kuscheljustiz adé für bessere Qualifikation der Täter

Die Defizite der Berufskriminellen sind augenfällig – auch Teamarbeit verhilft nicht zum Erfolg: Ein 67-Jähriger lehrte am Montag gleich fünf Maskierten in Berlin-Marienfelde das Fürchten. Mit einem Schraubendreher stellte er sich ihnen in den Weg, die zogen wieder ab.

Und selbst mit einem einfachen LKW können es die Brüder nicht mehr aufnehmen: Der wollte sich am Montag nicht klauen lassen, sondern schickte seinem Besitzer eine Kurznachricht aufs Handy, dass er gerade seinen Parkplatz verlassen hatte. Eine halbe Stunde später schnappten Polizisten den 19-jährigen Dieb. Manchmal hat man eben kein Glück – und dann kommt auch noch das Pech dazu. Tatausführung: ungenügend.

Ich sehe erste Sorgenfalten – wo soll das bloß hinführen? Oder ist das etwa allein ein Problem in der Bundeshauptstadt? Kann eine Frauenquote helfen? Es sollten Sofortmaßnahmen ergriffen werden, um Täter künftig besser zu qualifizieren. Der Kuscheljustiz ist der Kampf anzusagen: für alle Täter frühere Haftstrafen, damit sie von den älteren Häftlingen besser auf den Berufsalltag vorbereitet werden. Nachgedacht wird zudem über die Einführung eines Knast-Bachelors.

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2 Kommentare zu “Es mangelt an qualifiziertem Nachwuchs

  1. Herrlich, dieser Zynismus

    Die Meldungen kurios fehlgeschlagener Straftaten der letzten Zeit hast du sehr gut in Zusammenhang gesetzt mit der immer wiederkehrenden Forderung nach früheren, härteren (Haft-) Strafen. „In der Tat“ liegt ein gutes Gegenargument bzw. eine Gefahr darin, dass durch den Kontakt mit „gestandenen“ Kriminellen eher noch eine Verfestigung eintreten könnte.

    Danke und Gruß, Julian
    http://www.dasrechtderstrasse.blogspot.de

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