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Polizei warnt vor „Social Network“-Angst

Immer öfter muss die Polizei einschreiten, um Brisanz oder „Panikmache“ aus der Diskussion in sozialen Netzwerken zu nehmen. Eine Polizeimeldung bekommt dank dieser Verbreitung über Facebook oder WhatsApp häufig einen völlig anderen Inhalt – das „Stille Post“-Phänomen.

Jüngst passierte dies aus Angst vor vermeintlichen „Mitschnackern“ im Kreis Pinneberg – also einem Mann, der Kinder unter einem Vorwand anspricht, um sie zum Mitkommen zu bewegen:

Aus aktuellem Anlass, nämlich steigender Verbreitung in den sozialen Netzwerken und auch Hinweiseaufkommen gegenüber der Polizei, möchte die Polizei ausdrücklich einer Angst vor vermeintlichen Mitschnackern im Kreis Pinneberg entgegenwirken.

Viele Nutzer leiten die Ursprungsmeldung falsch weiter

Tatsächlich hatte die Polizei nur zurückhaltend über zwei Fälle berichtet, in denen vermutlich versucht wurde , aus einem weißen Lieferwagen heraus, ein Kind zum Mitkommen zu bewegen. Doch aus „merkwürdig aufgefallen“ oder „angesprochen“ wurde schnell ein „ins Auto gezerrt“ oder (erfolgreich) „mitgeschnackt“. Schließlich hieß es, der Mann hätte einen Jungen in seinen Lieferwagen gezerrt, die Polizei könne aber nichts machen, weil ja gar nichts passiert sei. Das ist natürlich riesengroßer Unsinn und derartiger Legendenbildung muss die Polizei immer häufiger ausdrücklich widersprechen. Denn tatsächlich ist überhaupt nichts passiert, was nur entfernt den Anfangsverdacht einer Straftat begründen könnte. Es gab aktuell keinen Fall von Kindesentführung oder dem Versuch dazu oder anderen denkbaren Straftaten von „Mitschnackern“.

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Ein Hoax verbreitet in Social Networks nicht selten Angst und Schrecken // Foto: Alexander Klaus / pixelio.de

Angst ist selten ein guter Ratgeber

Eine solche Verbreitung von „Schauergeschichten“ ist besonders bedenklich, weil sie Unsicherheit und sogar Angst schürt, die letztlich allerdings unbegründet ist. Es nimmt den Eltern und den Kindern das Vertrauen in die Polizei und deren Ermittlungsarbeit. Selbstverständlich nimmt die Polizei – gerade in solchen Fällen – alle Hinweise ernst und geht Ansätzen, die zur Aufklärung führen können, sofort nach. Jedoch leidet die Polizei gewissermaßen unter dem Phänomen des erhöhten Meldeverhaltens, also dass besorgte Bürger angebliche Vorfälle, von denen sie aus den sozialen Netzwerken erfahren haben, immer wieder der Polizei mitteilen. Dadurch entsteht das Problem, dass die Polizei die einzelnen, vermeintlich passierten Vorfälle aufgrund der vielen verschiedenen Angaben kaum auseinanderhalten und schließlich umfangreich ermitteln muss, nur um dann festzustellen, dass jemand einem „Hoax“ aufgesessen ist.

Natürlich soll die Polizei umgehend verständigt werden, wenn Kinder zu Hause entsprechendes berichten. Die Polizei wertet dann die Hinweise zentral aus und versucht dabei immer, mögliche Zusammenhänge oder Parallelen zu erkennen. Doch die Angst, die geschürt werden kann und durch die sozialen Netzwerke noch Verstärkung findet, wenn unrichtige oder hinzugedachte Details verbreitet werden, möge – bei aller Vorsicht – bitte auch berücksichtigt werden. Die Polizei versichert, dass bei entsprechender Erkenntnislage oder Lageeinschätzung umgehend eine Warnmeldung herausgeben werde – darauf dürften sich die Bürger, Eltern und Lehrer verlassen!

Darüber hinaus sei wichtig, dass Eltern mit ihren Kindern möglichst sachlich und nur allgemein sprechen, Dramatisierungen weglassen und dadurch nicht zusätzliche Ängste schüren und vor allem nicht an „gehörten Details“ orientiert sprechen.

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