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Der Gorilla-Test

Zeugen gelten (zurecht) als das unsicherste aller Beweismittel, das weiß eigentlich auch jeder Jurist. Ich habe bereits im Eintrag „Was eine Zeugenaussage wert ist“ über diese Problematik berichtet. Trotzdem bleibt dem Richter oft keine andere Möglichkeit, als auf die Aussage eines Zeugen zu vertrauen. Da werden Autos am Tatort gesehen, die überhaupt nicht da waren oder Täter beschrieben, die hinterher komplett anders aussehen als zuvor beschrieben.

Das nachfolgende Video wird regelmäßig als Testverfahren benutzt, um die Problematik einer Zeugenaussage zu verdeutlichen. Ihre Aufgabe beim Ansehen des Videos: Bitte zählen Sie, wie oft sich das weiße Team den Basketball hin- und herwirft. Lesen Sie erst danach weiter.

Und? Haben Sie den Gorilla im Video bemerkt? Nein? Kein Sorge – sie befinden sich damit in guter Gesellschaft! In einer breit angelegten Testreihe „Gorillas in unserer Mitte“ haben die beiden Psychologen Daniel Simons sowie Christopher Chabris dieses (wissenschaftlich) als Unaufmerksamkeitsblindheit betitelte Phänomen nachgewiesen.

Das Ergebnis dieser Testreihe: Ungefähr die Hälfte der Versuchspersonen nehmen ein länger dauerndes, eigentlich sehr auffälliges, jedoch unerwartetes Ereignis nicht wahr, wenn sie mit einer elementaren Beobachtungsaufgabe beschäftigt sind. Die Unaufmerksamkeitsblindheit hängt wesentlich ab vom Schwierigkeitsgrad der Beobachtungsaufgabe.

Für die Zuverlässigkeit einer Zeugenaussage folgt daraus: Ist die Aufmerksamkeit des Zeugen durch irgendwelche Einflüsse anderweitig gebunden, werden häufig wichtige Umstände nicht wahrgenommen. Werden diese Zeugen dann noch suggestiv beeinflusst, ist deren Aussage im Prinzip verloren. Doch woher soll der Richter dies erkennen? Nach einer Suggestivbefragung weiß ein Zeuge ja, was er gesehen haben soll …

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