Marxen/Tiemann: Die Wiederaufnahme in Strafsachen
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Die Wiederaufnahme in Strafsachen

von Klaus Marxen, Frank Tiemann

Wiederaufnahme, Wiederaufnahmeverfahren, Wiederaufnahmerecht, Wiederaufnahme in Strafsachen, Marxen, Tiemann, Klaus Marxen, Frank Tiemann, Rezension, Buchtipp, Strafrecht, Strafprozessrecht, Strafverteidigung, PraxisliteraturDie Wiederaufnahme in Strafsachen ist Strafverteidigung am Hochreck, denn dieses Rechtsgebiet unterscheidet sich in struktureller Hinsicht wesentlich vom sonstigen Strafverfahrensrecht. Die überaus restriktive Praxis der Wiederaufnahmegerichte stellt schon der Zulässigkeit des Wiederaufnahmeantrags nahezu unüberwindbare Hürden in den Weg. Deswegen bedarf es keiner empirischen Untersuchung, um feststellen zu können, dass die Misserfolgsquote bei Wiederaufnahmeanträgen außerordentlich hoch ist. Die Autoren Marxen und Tiemann bieten den Lesern eine systematische sowie zudem problemorientierte Anleitung, für die sie auf die langjährige richterliche Erfahrung zurückgreifen können.

Spektakuläre Fälle haben in jüngster Zeit zwar die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich gezogen sowie auch zu teils heftiger öffentlicher Kritik am bestehenden Wiederaufnahmerecht geführt. Mehrfach bedurfte es einer obergerichtlichen Korrektur. Gleichwohl ist ein Tätigwerden des Gesetzgebers derzeit ebenso wenig in Sicht wie eine wachsende Bereitschaft der Gerichte, eigene Fehler trotz bereits eingetretener Rechtskraft zu korrigieren. Nach wie vor befindet sich der Verurteilte, der eine Wiederaufnahme des Verfahrens zu seinen Gunsten anstrebt, in einer ungünstigen Ausgangslage. Sein Verteidiger wird deshalb sein gesamtes anwaltliches Können – insbesondere in strafprozessualer Hinsicht – in die Waagschale werfen müssen.

Als überaus geglückt ist die systematische Struktur des Buches zu bezeichnen, das sich in acht Teile untergliedert und einen schnellen Überblick ermöglicht:

  • Teil 1: Zulässigkeit des Wiederaufnahmeantrags
  • Teil 2: Begründetheit des Wiederaufnahmeantrags
  • Teil 3: Vorbereitung des Wiederaufnahmeantrags zugunsten des Verurteilten
  • Teil 4: Vollstreckungsaufschub oder -unterbrechung
  • Teil 5: Besonderheiten der Wiederaufnahme zugunsten eines Verstorbenen
  • Teil 6: Besonderheiten der Wiederaufnahme nach § 79 Abs. 1 BVerfGG
  • Teil 7: Besonderheiten der Wiederaufnahme in Bußgeldsachen
  • Teil 8: Entschädigung des Verurteilten nach erfolgreicher Wiederaufnahme

Am Ende des Buches finden sich – wie in der Reihe „Praxis der Strafverteidigung“ üblich – drei Muster für Verteidigerschriftsätze: einen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens und Aufschub der Vollstreckung, eine sofortige Beschwerde gegen einen Verwerfungsbeschluss sowie einen Antrag auf Bestellung des Verteidigers zur Vorbereitung eines Wiederaufnahmeverfahrens.

Die Aufbereitung des umfangreichen Stoffes gelingt durchweg ausgesprochen gut und liefert eine in sich stimmige Einführung in die hohe Kunst der Wiederaufnahme, welche sich durch die zahlreichen Verweise auf weiterführende Literatur und Rechtsprechung wirkungsvoll vertiefen lässt. Hilfreich sind zudem die wertvollen Praxishinweise, Fallbeispiele und Formulierungshilfen. Dabei beschränken sich die Autoren nicht auf die bloße Wiedergabe des Status quo, sondern hinterfragen diesen kritisch, um auf diese Weise zu einer – zweifelsohne wünschenswerten – Veränderung der diesbezüglichen Rechtsanwendungspraxis beizutragen.

Die Darstellung richtet sich vor allem an Strafverteidiger, bei denen das Wiederaufnahmerecht nicht zum täglich Brot gehört. Den erfahrenen Kollegen ist es ein wertvolles Nachschlagewerk, da sie auch nach einigen erfolgreichen Wiederaufnahmeverfahren sich immer wieder mit neuen – teilweise auch unerwarteten Problemen – konfrontiert werden sehen.

Acht Jahre nach Erscheinen der zweiten Auflage war eine Neuauflage dringend geboten, um die zahlreichen gerichtlichen Entscheidungen, die in den letzten Jahren im Bereich des Wiederaufnahmerechts ergangen sind, angemessen berücksichtigen zu können. Auch neue, einschlägige Publikationen, insbesondere an kommentierender Strafprozessrechtsliteratur, wurden von den Autoren selbstverständlich ausgewertet.

Die Autoren Klaus Marxen und Frank Tiemann haben mit diesem Werk eine durchgängig lesenswerte sowie praxisorientierte Darstellung zu der komplexen Materie des Wiederaufnahmerechts geschaffen, die bisher auf dem Markt einzigartig ist. Wer sich als Verteidiger mit dem Recht der Wiederaufnahme beschäftigt, wird an diesem Buch keinesfalls vorbeikommen.

3., neu bearb. Auflage 2014, 224 Seiten, kartoniert – ISBN: 978-3-8114-4320-4
C.F. Müller – Reihe: Praxis der Strafverteidigung (Band 17) – € 49,99

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Das Rezensionsexemplar wurde uns vom Verlag kostenlos zur Verfügung gestellt.

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