Focus: Staatlich sanktionierte Vergewaltigung der Kinderseele?
Strafakte.de

Staatlich sanktionierte Vergewaltigung der Kinderseele

Selbst für den „Focus“ ist ein derartiger Einstieg in einen Artikel ungewöhnlich: „Dildo, Taschenmuschi, Vibrator, Handschellen, Aktfotos, Vaginalkugeln“ werde nach Ansicht des Vorsitzenden des Philologenverbands Baden-Württemberg, Bernd Saur, die Schülerinnen sowie Schüler im „Ländle“ demnächst im Unterricht erwarten. Diese Entrüstung gründet sich auf „abstruse Vorstellungen einer modernen Sexualpädagogik“, in Baden-Württemberg nun einen Bildungsplan einzuführen, der die Schüler über sexuelle Vielfalt aufklären soll. Ist so etwas nicht eigentlich selbstverständlich im Jahr 2014 in Deutschland? Nein, offensichtlich nicht.

Überstülpen von Neigungen und Fantasien Erwachsener

Für den Interessenvertreter der Lehrer am Gymnasium sei zwar den zehn- bis vierzehnjährigen Schülerinnen und Schülern „Toleranz gegenüber nicht heterosexuellen Partnerschaften“ zu vermitteln, aber diese „Übersexualisierung, ja Pornografisierung der Schule“ sei eine „staatlich sanktionierte Vergewaltigung der Kinderseele“ und sogar ein „Überstülpen von Neigungen und Fantasien Erwachsener“. Damit verbindet er offenbar den homophoben Gedankengang, Schüler könnten dadurch zur Homosexualität erzogen werden. Diese „Übersexualisierung“ entspreche einem Anschlag auf ihr natürliches und überaus schützenswertes Empfinden – einer eklatanten Verletzung der Schamgrenze.

Missbrauch, Vergewaltigung, Kinderseele, Schüler, Schülerinnen, Lehrplan, Bildungsplan, Baden-Württemberg, sexuell, Vielfalt, Pornografisierung, Schule, Gymnasium, Übersexualisierung

Ist Aufklärungsunterricht im Jahr 2014 eine Vergewaltigung der Kinderseele? // Grafik: Chr. Seebauer (CC BY-SA 3.0)

Um die Problematik zu veranschaulichen, führt der Pädagoge darüber hinaus an, „was Gender-Sexualpädagogen, neoemanzipatorische Sexualforscher und andere postmoderne Entgrenzer“ nach seiner Auffassung in den Unterricht zu integrieren planen würden:

„Lederpeitsche und Fetische wie Windeln, Lack und Latex wollen sie als Lehrgegenstände in die Bildungspläne integrieren. Themen wie Spermaschlucken, Dirty Talking, Oral-/Analverkehr und sonstige Sexualpraktiken inklusive Gruppensex-Konstellationen, Lieblingsstellung oder die wichtige Frage ‚Wie betreibt man einen Puff‘ sollen in den Klassenzimmern diskutiert werden.“

Vergewaltigung der Kinderseele sei ein Fall für den Staatsanwaltschaft

Das sprenge „eindeutig den Rahmen dessen, was Kindern zugemutet werden darf“ – mit diesen Bildungsplänen sollten sich vorsorglich die Staatsanwaltschaften beschäftigen. Es gelte daher, die Schülerinnen und Schüler „vor entwicklungspsychologisch nicht vertretbaren Übergriffen durch entfesselte, offensichtlich komplett enttabuisierte Sexualpädagogen zu schützen“. Der Staat dürfe „hier nicht übergriffig werden“. Auf welcher Grundlage die Staatsanwaltschaft tätig werden solle, lässt er gleichwohl offen.

Das Fazit des Interessenvertreters lautet dann ernsthaft: „Die Odenwaldschule lässt grüßen.“

15
KOMMENTARE
0
SHARES/LIKES

15 Kommentare zu “Staatlich sanktionierte Vergewaltigung der Kinderseele

  1. Viel wichtiger als vermeintliche Offenheit, wäre es die Kinder und Jugendlichen über die fiesen Tücken aufzuklären, die das Sexualstrafrecht für sie bereit hält.
    Bestandteil der Aufklärung sollte zum Beispiel sein, dass die behauptete Offenheit und Vielfalt keineswegs so weit geht, dass sie Nacktbilder von sich machen und verschicken dürfen. Denn dabei könnte es sich um strafbare Kinderpornografie handeln.
    Auch sollte man 14- und 15-jährige darüber aufklären, dass sie Kinderschänder sind und bestraft werden können, wenn sie sich sexuell mit Klassenkameradinnen und -kameraden einlassen, die selbst noch nicht 14 Jahre alt sind.
    Auch sollte man sie darüber aufklären, was es mit dem Besitz und der Verbreitung von Kinder- und Jugendpornografie auf sich hat und man sollte sie darin unterrichten wie schnell es in Deutschland in solchen Fällen zu Hausdurchsuchungen sowie Beschlagnahme kommt, selbst wenn sie Fotos verschicken, die sie selbst gemacht haben.
    Alles sehr offen, liberal und selbstbestimmt.
    Zum Schluss sollte man den Kindern und Jugendlichen noch beibringen, dass das ach so offene sexuelle Weltbild Kindern jegliche Form von sexueller Selbstbestimmungsfähigkeit abspricht -sie also fremdbestimmt- und Jugendlichen auch nur eine beschränkte sexuelle Selbstbestimmung zugesteht. Sofern es dann noch keinen Aufstand in der Klasse gibt, kann man ihnen noch erklären, dass sie sich strafbar machen, wenn sie sich gegenseitig pornografische Material zugänglich machen, das sie erst ab 18 Jahren sehen dürfen.
    Ja und danach, kann man versuchen ihnen was von sexueller Offenheit, Akzeptanz und Vielfalt zu erzählen, in der Kinder und Jugendliche sich eigentlich wie Unterdrückte vorkommen müssen.

    (5)
  2. Ich denke, dass „Dildo, Ta­schen­mu­schi, Vi­bra­tor, Hand­schel­len, Akt­fo­tos, Va­gi­nal­ku­geln“ nichts im Schulunterricht zu suchen haben. Die Konsequenzen scheinen sich die Verantwortlichen nicht im geringsten auszumalen. Hier werden Praktiken als „normal“ dargestellt, die tatsächlich nicht jedermanns Sache sind.

    Denkbar ist in der Konsequenz dann folgendes Geschehnis: Der 16jährige Freund seiner 14jährigen Freundin einen Dildo rektal einführen will und sie das nicht möchte. Er wird sie dann drängen: „Du Spießerin machst ja nicht einmal den Blümchen-Kram aus dem Schulunterricht mit.“ Die 14jährige Freundin lässt es widerwillig über sich ergehen.

    Und wer weiß: wenn heute in der Schulde schon Praktiken wie Dildo, Ta­schen­mu­schi, Vi­bra­tor, Hand­schel­len, Akt­fo­tos, Va­gi­nal­ku­geln als „normal“ dargestellt werden, wohin gerät dann die Steigerung? Kommt dann in fünf jahren das „sich gegenseitig in den Mund Scheißen, Pinkeln und Kotzen“ auf den Lehrplan?

    (0)
    • @Thorsten: Was ist das denn bitte für ein undifferenzierter, unsinniger Kommentar? Niemand behauptet, dass solche Praktiken als „normal“ dargestellt werden. Es geht um Aufklärung über sexuelle Vielfalt!

      Im Übrigen handelt es sich bei der Darstellung um die des Vor­sit­zen­den des Phi­lo­lo­gen­ver­bands Baden-Württemberg, der glaubt/meint/vermutet/befürchtet, dass diese Themen zum Inhalt des Lehrplans gemacht werden. OB das tatsächlich so sein wird, ist überhaupt noch gar nicht klar. Es ist ein ordentlicher Schuss Polemik in seinen Aussagen und natürlich „Panikmache“, um Eltern von seiner Position zu überzeugen.

      Sie sollten Artikel bitte erst gründlich lesen, bevor Sie solche unpassenden Kommentare verfassen. Ihre Schlussfolgerung, dass der 16-jährige seine 14-jährige Freundin zu etwas nötigen würde (was eine Vergewaltigung wäre), entbehrt zudem jeglicher vernünftigen Grundlage.

      (1)
      • Das ist eine Diskussion, die sich schon seit Monaten entwickelt. S. a. hier:

        http://www.hna.de/lokales/kassel/prof-elisabeth-tuider-ueber-zeitgemaesse-sexualpaedagogik-3665092.html

        Und selbst wenn die Lehrer tausendmal im Unterricht betonen, dass „wir Euch nur zeigen, was es gibt“ und „Ihr das nicht mitmachen müsst, wenn Ihr das nicht wollt“ und „dass Ihr Eurem Partner ruhig nein sagen könnt“: die Praxis wird andere Auswirkungen haben.

        Sexualität ist etwas facettenreiches, was jeder Mensch selbst für sich entdecken und entwickeln sollte. Und wenn es darum geht, Schüler dahingehend aufzuklären, das sie sich zu nichts drängen lassen sollen, was sie nicht wollen, dann brauche ich dafür keine Dildos etc. im Unterricht. Denn bei dieser Aufklärung kommt es auf etwas ganz anderes an: die Stärkung der Persönlichkeiten der Schüler, dass sie sich von niemandem – trotz allen Verliebtseins – zu abhängig machen sollten.

        (2)
        • @Thorsten: Sexuelle Vielfalt als Unterrichtsfach halte ich im besten Fall für Indoktrinierung im schlimmeren Fall für sexuellen Missbrauch. Wenn es hier um Kinder geht, die jünger als 14 Jahre alt sind, dann haben sie die Fähigkeit zur sexuellen Selbstbestimmung noch nicht. Und der Gesetzgeber hat diesen Zustand als besonders schützenswert bestimmt, der es Kindern ermöglichen soll ohne oder zumindest nur mit sehr wenig Beeinflussung durch Erwachsene den Zustand der sexuellen Selbstbestimmung zu erreichen.
          An meine Schulzeit kann ich mich noch gut erinnern. Und es hätte Lehrer gegeben, mit denen ich nicht über Kondome, Sex oder sexuelle Vielfalt hätte sprechen wollen. Hätte ich dies gemusst, weil es der Lehrplan so vorgesehen hätte, wäre ich mir in der Tat vergewaltigt vorgekommen. Da helfen auch alle guten Absichten nicht, die hinter dem Entwurf stehen. Gut gemeint ist eben oft genug schlecht gemacht.
          Wenn man Kindern in allen anderen Bereichen beibringt, dass Vielfalt etwas Positives ist, dann sind sie intelligent genug, diese Haltung auch auf sexuelle Vorgänge zu übertragen. Ob es dazu notwendig ist, sexuelle Vorlieben durchzuspielen, die sich irgendwelche Ministerialbeauftragten ausgedacht haben, halte ich für zweifelhaft. Die 68er haben gezeigt, dass eine allgemeine freie Geisteshaltung auch eine freie Geisteshaltung in sexuellen Dingen nach sich zieht.
          Aber wahrscheinlich ist es zu viel des Guten, wenn man Kinder in Schulen zu freiheitsliebenden Menschen heran ziehen würde.

          (0)
          • @Herold Bein:

            Die 68er ha­ben ge­zeigt, dass eine all­ge­meine freie Geis­tes­hal­tung auch eine freie Geis­tes­hal­tung in se­xu­el­len Din­gen nach sich zieht.

            Oh ja. Mittlerweile hat sich leider auch gezeigt, dass das in aller Konsequenz gegolten hat …

            (1)
  3. Diese vermeintlich anstößigen Fragen sind doch solche, die Kinder in diesem Alter interessieren und schon vor 10 Jahren regelmäßig vom Dr. Sommer-Team in der BRAVO beantwortet wurden. Warum sollten diese dann nicht auch im Unterricht besprochen werden?

    Das ist bspw. gerade Thema bei Dr. Sommer auf BRAVO.de

    Dr. Sommer aktuell

    Einige prüde Katholiken können sich augenscheinlich nicht damit anfreunden, dass in der Schule vernünftige Aufklärung geleistet wird, die Kinder zu starken und eigenverantwortlichen Menschen erzieht und der Prüderie ein Ende setzt!

    (3)
  4. Ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft, dass es noch immer einen derart großen Anteil von Menschen gibt, die komplett verbohrt sind und immer noch eine Masse von „Tabu“-Themen kennen.

    Klar ist, dass man nicht jede der o. g. Thematiken ausführlich im Schulunterricht behandeln sollte. Dennoch sollten unsere Schüler/ Kinder über die faktisch vorhandene und rechtlich akzeptierte Vielfalt aufgeklärt werden. Schließlich dient dies der eigenen Meinungsbildung, da gerade durch die Thematisierung nicht irgendetwas „übergestülpt“ wird. Das Gegenteil ist der Fall – und das ist auch gut so

    Gruß, Julian Jansen
    http://www.dasrechtderstrasse.blogspot.de

    (0)
  5. Nicht nur die eigentümliche Überbetonung der Sexualität verwundert, ein wenig ungesund für Frauen, Mütter und Kinder scheint Gender Mainstreaming auch zu sein. Zum Beispiel das Negieren wichtiger und dem Mann überlegener weiblicher Eigenschaften mit der Folge, dass häufig der Body nur noch wichtig wird. Vergessen der für Sprach- und Kognitiventwicklung wichtigen frühkindlichen Mutterbindung infolge des frühen flüssigkeitsgekoppelten Hörens des Foeten im Mutterleib (Muttersprache nicht Vatersprache!). Probleme durch Cortisolausschüttung (gefährliches Stresshormon) und Schlafmangel mit entsprechendem Wachstumshormonmangel von Krippenkindern mit Hippocampusminderung (Lernmaschine des Gehirns).
    Erschreckende Zunahme von Depressionen auch bei Kindern und Jugendlichen.
    [siehe „Kinder – Die Gefährdung ihrer normalen (Gehirn-) Entwicklung durch Gender Mainstreaming“ in: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 4. erweiterte Auflage, Verlag Logos Editions, Ansbach, 2014: ISBN 978-3-9814303-9-4]

    (1)
  6. Hoffentlich ist dieser Herr nicht repräsentativ für Lehrer in BaWü. Das sprengte dann wirklich „ein­deu­tig den Rah­men des­sen, was Kin­dern zu­ge­mu­tet wer­den darf.“

    (0)
  7. Dass die Darstellung des Verbandsvorsitzenden vielleicht überspitzt ist, ist das eine. Das andere ist, dass auch die Süddeutsche Zeitung vor einigen Monaten unter der Überschrift „Was Sie nie über Sex wissen wollten“ einen Artikel über die zumindest geistige Autorin des „Vielfalt“-Konzeptes, Tuider, gebracht hat, der leider nicht bei der SZ online, aber googelbar ist. Da wird das erklärte Ziel des Unterrichts zitiert, nämlich „bewusst verunsichern“ ( ich denke, dass Schule für Schüler in dieser Altersklasse der ohnehin hormonellen Verunsicherung nicht noch eins draufsetzen muss) und so lustige Unterrichts“projekte“ wie : Ein Bordell einrichten für sexuelle Orientierungen aller Couleur;
    Zitiert wird dort u.a. auch „Und bestimmt möchten 13-Jährige, so wie auf Seite 151 des Werks vorgeschlagen, im Plenum in frei gewählter Form – „als Gedicht, als Bild, als Skulptur, als Theaterstück,
    Sketch“ – ihr „erstes Mal“ in verschiedenen Bereichen vortragen. Dazu sollen sie Kärtchen
    ziehen: „Das erste Mal ein Kondom überziehen, das erste Mal ein Tampon einführen, das
    erste Mal Analverkehr.“
    Dass es da nicht nur Erzkatholen oder wie in Baden-Württemberg Evangelen die Nackenhaare aufstellt, kann ich in gewisser Weise verstehen.

    (1)
    • Wir haben als Eltern den Lehrern klargemacht das sie aufpassen sollen was sie vor den Augen und Ohren unsere Kinder von sich geben und das falls unsere Kinder davon verstört sind es sofort eine Anzeige wegen sexueller Belästigung an Kindern setzt. Das ist kein Spass für Lehrer, sondern EDEKA.

      Glaubt mir, das zieht.

      (0)
        • @Strafakte.de: Das muss man nicht so runter spielen. Im Bereich des Strafrechts genügen schon unbewiesene Anschuldigungen und die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens, um jemanden zu vernichten.
          Und selbst wenn so eine Anzeige eingestellt wird, in den Polizeiakten bleibt dies Jahre wenn nicht gar Jahrzehnte gespeichert. Das ist auf die Dauer sicher nicht lustig.

          (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.