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Geschlagen im Namen Gottes

„Wer seine Rute schont, der hasst seinen Sohn, wer ihn aber liebt, der züchtigt ihn.“ – so steht es in der Bibel. Solche Bibelstellen führen besonders in evangelisch-freikirchlichen Familien dazu, dass Kinder häufiger geschlagen werden.

Meine Studienkollegin Cara-Lavinia Sonneborn wies in ihrem Blog bereits vor einiger Zeit auf einen Zusammenhang zwischen der Religiosität evangelisch-freikirchlich glaubender Eltern und der körperlichen Züchtigung ihrer Kinder hin. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls die Studie „Christliche Religiosität und elterliche Gewalt“ unter der Leitung von Prof. Christian Pfeiffer des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN).

Die Wissenschaftler haben dafür zwei Befragungsstudien des KFN zum Teil neu ausgewertet: Eine deutschlandweite repräsentative Schülerbefragung aus den Jahren 2007 und 2008 sowie eine Erwachsenenbefragung aus dem Jahr 2011. Dabei ist aufgefallen, dass bei den religiösen Freikirchlern ein vergleichsweise höherer Anteil der Kinder geschlagen wird – und je gläubiger die Eltern sind, desto massiver prügeln sie ihre Kinder. Bei den Familien, die sich als stärker bis stark religiös einschätzen, leiden ein Viertel der Kinder und massiver Gewalt und gar jedes zweite Kind unter leichter Gewalt. Eine gewaltfreie Erziehung findet sich in noch nicht einmal einem Viertel dieser Familien.

Im bundesdeutschen Durchschnitt ist die gewaltfreie Erziehung klar auf dem Vormarsch: Mehr als die Hälfte der Elternhäuser lehnen Gewalt gegen Kinder kategorisch ab. Seit Ende der 90er Jahre haben alle Kinder ein gesetzlich verbrieftes Recht auf eine gewaltfreie Erziehung – sonst kann und soll dies als Körperverletzung verfolgt werden.

Die evangelischen Freikirchen reagierten mit heftiger Kritik auf diese Studie und führten an, dass die insgesamt mehr als 500 verschiedenen Freikirchen „in einen Topf“ geworfen würden. In einem Interview mit Telepolis nimmt Prof. Christian Pfeiffer die Kritik auf und entgegnete, dass eine Differenzierung nur innerhalb einer neuen Studie untersucht werden könne, was aber Aufgabe der Freikirchen sei.

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