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Selbstleseverfahren, Band 80

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Trotz Zeitumstellung und längerem Schlafen pünktlich zum Frühstück – unser Wochenrückblick // Foto: PlaceIt.net

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1 Kommentar zu “Selbstleseverfahren, Band 80

  1. Das Strafrecht verbietet es, sich selbst ein Bild zu machen, um zu beurteilen, dass eine Reaktion wie Ekel, Angst, Entsetzen, Wut oder Verzweiflung gerechtfertigt oder gar notwendig ist.
    Wenn man die Zahlen zu Sexting-Fällen in den USA nur annähernd auf Deutschland übertragen kann, dann entsteht ein großer Anteil von Kinderpornografie von pubertierenden Kindern und von Jugendlichen selbst.
    Diese Vermutung wird gestützt durch das wissenschaftliche Institut für kriminologische Sozialforschung (IKS) der Universität Hamburg. Unter http://criminologia.de/2014/04/gegen-die-us-amerikanisierung-der-sexualmoral/ findet sich die Aussage:

    Die Debatte um Kinderpornographie und Pädophile ist verbunden mit einer Ikonisierung und Dramatisierung kindlicher Opfer: Die Namen der (über Jahrzehnte nicht anwachsenden Zahl) kindlicher Opfer von sexuellen Tötungsdelikten gehen wie Ikonen durch die Medien und sind auch bei den Praktikern „eingebrannt“. Die in meinem ersten Diskussionsentwurf genannten Axiome: „Sexueller Missbrauch ist das schlimmste, was einem Menschen zustoßen kann.“ „Die Opfer leiden lebenslang unter den Folgen.“ „Täter lügen immer, Opfer nie.“ „Sexualstraftäter schlagen immer wieder zu.“ sind so unzutreffend wie hartnäckig. Und selbst Experten, die das im internen Diskurs sofort einräumen und eigene Beispiele dazu nennen können, erklären, das könne man der Öffentlichkeit nicht verkaufen. Und wer immer nach einem Rückfall – spektakulär medial inszeniert – mit dem Rückfall in Verbindung gebracht wird, wird scharf attackiert. Herr Prof. Nedopil kann hierzu einige Beispiele über KollegInnen berichten.
    Ein ideologisch aufgeheizter Kinderschutz stellt Kinder romantisierend dar als schutzbedürftig (sind Kinder auch, aber sie haben auch Ressourcen und Kompetenzen), als sexuell rein und unschuldig (sind Kinder gar nicht – hier ist ein Vergleich zur Jugendschutzdebatte der 50er und 60er Jahren sehr aufschlussreich) und entsprechend als desinteressiert an Kontakten zu Erwachsenen. Ich unterstütze damit nicht die Argumente pädophiler Gruppen; aber gerade zum Ende der Latenzzeit – also heute ab dem 11./12. Lebensjahr sind gerade die Jungen hoch interessiert an allem, was mit Sex zu tun hat. In der Jugendhilfe weiß man um dieses Phänomen. Und in allen Kinderheimen gibt es sexuelle Aktivitäten unter Kindern und Jugendlichen. Das kann selbst die größte Wachsamkeit der Pädagogen nicht verhindern. Mehr Kontrolle sorgt hier für größere Findigkeit und besseres Verbergen. Diese Sexualität unter Kindern/Jugendlichen ist manchmal einvernehmlich, manchmal nicht. Mal werden jüngere bzw. schwächere Kinder ausgenutzt, überredet, auch gezwungen, mal suchen sie den Kontakt.

    Wenn man diese wissenschaftlichen Erkenntnisse als glaubhaft einstuft und davon ausgeht, dass Kinder und Jugendliche Sexting-Aufnahmen von sicher herstellen, dann scheint mir zumindest für diese eine Reaktion von Ekel, Angst, Entsetzen, Wut oder Verzweiflung völlig überzogen und wäre ein Beleg für den ideologisch aufgeheizten Kinderschutz, der Kinder ikonisiert anstatt sie als Menschen wahrzunehmen.

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