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Über das Selbstverständnis deutscher Blogger

Als Lektüre für den heutigen Feiertag empfehle ich eine Studie der Universität Hohenheim zum Selbstverständnis von Themenbloggern und ihr Verhältnis zum Journalismus (2014). Insgesamt wurden für die Studie 2.478 deutsche Themenblogs ausgewählt, also solche, die zu unterschiedlichen Themen von gesellschaftlicher Relevanz bloggen und die durch ihre Fokussierung auf Themenfelder gewissermaßen fachjournalistisch tätig sind. Die umfangreiche Befragung wurde von 535 Teilnehmern zu Ende durchgeführt (21,6 %).

Männlich, hoch gebildet, selbstständig aber journalistisch eher unerfahren

Der deutsche Durchschnittsblogger ist demnach männlich (68,9 %), durchschnittlich 38,1 Jahre alt und hoch gebildet (50,5 % Hochschulabschluss). Über die Hälfte (54,6 %) bezeichnet sich auch als selbstständig tätig, also zumindest nebenerwerblich zu einem Angestelltenverhältnis. Zum Vergleich: Der Anteil in der Gesamtbevölkerung liegt bei nur 11 %. Es ist daher naheliegend, dass Blogs häufig als Kommunikationsmedium von Freiberuflern und Unternehmern genutzt werden.  Die meisten haben jedoch nie journalistisch gearbeitet und verfügen auch über keine journalistische Ausbildung (72 %). Dennoch haben 15,3 % – wie ich auch – eine journalistische Ausbildung und auch früher auch schon als Journalist gearbeitet.

Nicht wegen des Geldes

Der Zeitaufwand, der in den Blog investiert wird, ist relativ hoch – durchschnittlich knapp 9 Stunden pro Woche. Das ist nicht wenig, wenn man bedenkt, dass die Stundensätze von Rechtsanwälten meist nicht gerade gering sind. Der Großteil der bloggenden Rechtsanwälte muss also „freie Kapazitäten“ haben oder der Tätigkeiten einen hohen (ideellen?) Stellenwert beimessen. Jedenfalls dürfte die Zeit nicht durch Einnahmen wieder aufgefangen werden. Zwar versuchen insgesamt fast drei Viertel der befragten Blogger durch ihre Tätigkeit Einnahmen zu generieren – dies gelingt allerdings eher schlecht. Die Hälfte erzielt geringe Gewinne von unter 100 Euro im Monat. Es ist also anzunehmen, dass eher der Reputationsaufbau im Vordergrund stehen dürfte.

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Monatlich erzielter Gewinn von deutschen Themenblogs // Infografik: Statista (CC BY-ND 3.0)

Das Selbstverständnis der Blogger und ihr Verhältnis zum Journalismus

Interessant fand ich die Motivation der meisten befragten Blogger: Diese wollen zur Meinungsbildung beitragen und auch die journalistische Qualität der Beiträge spiele eine wichtige Rolle. Blogs werden deshalb als eine neue Art des Journalismus angesehen. Die Zeiten, in denen Blogs nur als persönliche Tagebücher ohne jede Relevanz angesehen sehen, sind also lange vorbei. Dennoch haben nur recht wenige Teilnehmer angegeben, durch das Bloggen ihre beruflichen Chancen verbessern zu wollen. Der Großteil bloggt, um komplexe Sachverhalte zu erklären und zu vermitteln und um das Publikum möglichst neutral und präzise zu informieren.

Auch Kritik und Kontrolle ist ein Bedürfnis der deutschen Themenblogger: Überdurchschnittlich wichtig sei, Sachverhalte zu beobachten und darüber zu berichten – weniger aber, um konkrete Kritik an Missständen zu üben als vielmehr die Diskussion über wichtige Themen anzuregen. In zunehmender Weise würden Blogger die Eigenschaft von Meinungsführern („opinion leader“) einnehmen, wie sie bisher eher Journalisten zugeschrieben wurde.

Ausgesprochen wichtig ist auch die journalistische Qualität von Beiträgen, dazu zählen für sie insbesondere Eigenschaften wie Objektivität, Relevanz, Richtigkeit und Aktualität der Posts. Die meisten Blogger legen also durchaus hohe Standards an ihre eigene Arbeit, sowohl in Bezug auf die journalistische Qualität und auch auf ihre Interaktion mit den Lesern.

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