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Sonntag ist Tatort-Tag – nun wissenschaftlich erforscht

Nach einigen „tatortfreien“ Sonntagen (Wahl, Polizeiruf, …) ist heute abend wieder Tatort-Zeit: Heute abend gehen die Kommissare aus Ludwigshafen/Rhein auf Verbrecherjagd. Viele fragen sich oft, warum der Tatort so erfolgreich ist – mit dieser Frage haben sich nun drei Forscher aus Göttingen beschäftigt. Sie haben sich 488 Folgen angesehen und wissenschaftlich ausgewertet. Kurze Antwort: Der Tatort profitiert vom Wiedererkennungswert und gibt Geborgenheit.

Immer wieder Sonntags: Die vertraute Titelmelodie1, die eisblauen Augen in dem seit 40 Jahren unveränderten Vorspann, ein Fadenkreuz. Die „Kult“-Krimireihe geht heute in ihre 882. Episode und erzielt regelmäßig Top-Einschaltquoten2. Aber warum eigentlich – was ist am Tatort so toll? Das fragte sich wohl auch die Forschergruppe ‚Ästhetik und Praxis populärer Serialität‘ um den Karlsruher Literaturprofessor Stefan Scherer. Die Studie kam zum Ergebnis, dass die jeweiligen Produzenten der ARD-Sendeanstalten recht geschickt an das Seriengedächtnis ihrer Zuschauer appellieren. Der Tatort bringt für sie am Sonntag ein Stück Geborgenheit ins Wohnzimmer.

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Vorspann: Durch den Wiedererkennungswert gibt der Sonntag Abend Krimi Geborgenheit // Foto: DasErste / Tatort.de

Wissenschaftliche Auswertung

Die einzelnen Ergebnisse der im September abgeschlossenen Studie sollen in den kommenden Monaten veröffentlicht werden. Die „Tatort-Forscher“ haben so insgesamt 488 Folgen mithilfe eines eigens dafür entwickelten Analyserasters durchsucht, u.a. nach dem Standort der Teams, Ermittlerlogik, Ton- und Bildästhetik, Neben- und Haupthandlung der Episoden, Rückblenden und Kamerabewegungen. Zeitaufwand pro Folge: um die acht Stunden.

Die Wissenschaftler wiesen nach, dass sich einzelne Tatort-Episoden immer wieder einmal über Sendergrenzen hinweg aufeinander beziehen, voneinander abschauen sowie sich miteinander vernetzen. Dazu würden etwa Kommissare eines Senders in einem Team des anderen Senders auftauchen und sich gegenseitig im Film Amtshilfe leisten. Auch Kameraeinstellungen ähnelten sich, Ermittlerkonstellationen würden wiederholt; schließlich fließt durch die Verpflichtung von renommierten Regisseuren und dank größer werdender Budgets eine geradezu kinofilmartige Ästhetik in den guten alten Tatort ein.

Das „echte“ Leben im Tatort

Eine Tatort-Episode verschränke das Prinzip abgeschlossener Folgehandlungen mit Elementen einer Fortsetzungsgeschichte. Obwohl die 90-Minuten-Folge jeweils in sich abgeschlossen sei, appelliere der Tatort an das Seriengedächtnis seiner Zuschauer, die jeden Sonntag das Format wiedererkennen und sich geborgen fühlen. Dies liege nicht zuletzt an der jeweiligen Thematik: Der Tatort bilde das gesamte Lebensspektrum der Bundesrepublik ab, von Intersexualität über Rechtsextremismus bis hin zum Afghanistan-Einsatz.

Die vielen unterschiedlichen Ermittler sind zudem bestimmte „Typen“, mit denen sich der eine oder andere Zuschauer sicher identifizieren kann. Diese Figuren würden sich jedoch nicht groß weiterentwickeln, sondern nach jeder Folge „einfach wieder auf Null gestellt“.

 

  1. Funfact: Titelmelodie von Klaus Doldinger komponiert, mit Udo Lindenberg am Schlagzeug []
  2. Die beste Einschaltquote hatte bisher die Folge „Summ, summ, summ“ der WDR-Ermittler Thiel und Boerne mit 12,99 Mio.; sonst regelmäßig 8 – 10 Mio. Zuschauer. []
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