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Anwälte des Bösen

„Die Wahrheit selbst ist mir offen gestanden fast egal“ – mit diesem Statement beginnt die dreiteilige ZDF-Dokureihe „Die Strafverteidiger: Anwälte des Bösen“. Drei Strafverteidiger haben sich hierfür ein Jahr lang von Kameras begleiten lassen.

Die Wahrheit „fast egal“ ist Rechtsanwalt Burkhard Benecken, der eigentlich keiner Vorstellung mehr bedarf. Er ist in den Medien omnipräsent, wenn auch wahrscheinlich anders als er sich das selbst wünschen würde. Benecken ziehe prominente Mandanten an, in der Regel „von Liga C an abwärts“, schrieb einst „Spiegel Online“ über „seltsame Gebahren des Herrn Benecken“, konkret im Zusammenhang mit dem Fall Gina-Lisa Lohfink. Hierzu ergänzte das Süddeutsche Magazin – ohne allerdings den Namen ihrer zwei Anwälte explizit zu nennen:

Hin und wieder steht Gina-Lisa vom Bett auf und geht ins Bad, um sich zu übergeben, oder sie geht zu einem der Anwälte und setzt sich auf seinen Schoß. Dann muss das Interview, das nie eines war, weil alle Anwesenden die Fragen beantworten, nicht nur Gina-Lisa, kurz unterbrochen werden. Der Anwalt will einen Videoanruf machen, um einem Freund zu zeigen, wer auf seinem Schoß sitzt. Er will angeben.*

Den Haien zum Fraß vorgeworfen

Gänzlich unrühmlich, so ist es medial überliefert, war seine Sprungrevision, die in einer so wohl nicht alltäglichen Verteidigerschelte endete, eindringlich in Richtung seiner Mandantin:

Sollten Ihre Anwälte Sie hinter Ihrem Rücken den Haien zum Fraß vorgeworfen haben, sollten Sie klagen. Ich empfehle Ihnen, sich einen Anwalt zu suchen, dem Ihre Interessen näher stehen als er sich selbst.

Dies nur als kleine Vorstellung falls jemand Burkhard Benecken (noch) nicht kennen sollte. Seit 17 Jahren sei er Strafverteidiger und führt die Kanzlei seines Vaters weiter, die nach eigenen Angaben zu den renommiertesten Strafrechtskanzleien der Bundesrepublik gehöre.

Die Strafverteidiger: Anwälte des Bösen (ZDF Doku) mit Burkhard Benecken, Hans Reinhardt und Pantea Farahzadi
Die Strafverteidiger Hans Reinhardt, Pantea Farahzadi und Burkhard Benecken / Foto: ZDF/Maciej Rolbiecki

In dieser Dokureihe widmet sich Benecken einer Millionendiebin, die nach einer Verurteilung zu drei Jahren Freiheitsstrafe in der Berufung auf eine Bewährungsstrafe hofft sowie der Vertretung einer Familie, deren Tochter getötet wurde und es im Prozess um die entscheidende Frage geht, ob die Tat als Totschlag oder Mord zur Befriedigung des Geschlechtstriebs eingeordnet wird.

Wird Anwalt Burkhard Benecken erfolgreich sein und seinen Mandanten helfen können?

Wie böse sind die Anwälte des Bösen?

Sein Kanzleipartner Hans Reinhardt eröffnet ebenfalls markig:

Lügen sollte man als Verteidiger nicht, aber kann natürlich die Wahrheit beeinflussen im Rahmen der strafprozessualen Mittel.

Er stellt zwei Fälle vor, die Schlagzeilen machten: In Köln wird 2022 ein Mann von etwa 30 Tätern getreten, geschlagen und mit Messern attackiert – auf offener Straße und am helllichten Tag. Das Opfer stirbt an seinen schweren Verletzungen. Die Mandantin von Hans Reinhardt soll die Tat geplant haben und steht deshalb wegen Mordes vor Gericht.

Im zweiten Fall wird mitten in der Nacht eine junge Mutter in ihrem Haus von ihrem Nachbarn überwältigt. Er tötet sie mit zahlreichen Messerstichen und verletzte ihren kleinen Sohn lebensgefährlich. Der Täter sitzt derzeit in der geschlossenen Psychiatrie. Wie lange noch?

Die erste Folge der Dokureihe gleich hier ansehen:

Im Gerichtssaal: Wie verteidigt man Mörder und Schwerverbrecher? | Die Strafverteidiger, Folge 1

Alle drei Teile sind ab sofort in der Mediathek verfügbar und Mittwoch, 24.09.2025 ab 21:45 Uhr auf zdfinfo zu sehen.

Ein echter „Lichtblick“ des Formats ist die Kölner Strafverteidigerin Pantea Farahzadi, die durch ihre ruhige und besonnene Art einen guten Kontrast zu ihren männlichen Kollegen bildet. Sie kann die Staatsanwaltschaft von der Notwehrsituation ihres des Totschlags verdächtigten Mandanten überzeugen und so eine Einstellung des Verfahrens mangels Tatverdacht erreichen.

Ob die Strafverteidiger bei den vorgestellten Fällen erfolgreich sind oder nicht, der Gerechtigkeit am Ende genüge getan wird oder nicht – diese Wertung überlasse ich jedem Zuschauer selbst.


* Anderen Presseberichten ist zu entnehmen, dass ihre Anwälte zu dieser Zeit Burkhard Benecken und Christian Simonis waren. Auf den Schoß einer der beiden habe sie sich nach dem Bericht gesetzt.

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1 Kommentar zu “Anwälte des Bösen

  1. Was der Benecken da alles als Erfolg zu verkaufen versucht ist geradezu lächerlich. Fünfstellig haben die armen Eltern von der Verstorbenen dafür bezahlt? Traurig!

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