Categories: Rechtsprechung

Die kesse Tatort-Kommissarin

Am 5. Verhandlungstag des Wulff-Prozesses vor dem Landgericht Hannover waren Verleger Hubert Burda und Ehefrau Maria Furtwängler geladen. Beide kamen in Begleitung von Medienanwalt (und Zeugenbeistand?) Christian Schertz.

Wie man souverŠänen Presseberichten – also nicht der Haus- und Hofpresse – entnehmen kann, nutzte die Tatort-Kommissarin jede Gelegenheit, dem Vorsitzenden Richter Frank Rosenow zu zeigen, was sie von diesem Verfahren hält. Schon bei der Aufnahme der Personalien antwortete sie, bei der Frage zu ihrem Alter angekommen, ob sie darauf antworten müsse. Natürlich mit einem charmanten Lächeln auf den Lippen. Nach ihrem Beruf befragt, gab sie Schauspielerin und Ärztin an.

Gefallen habe es ihr auf dem Oktoberfest jedenfalls nicht, berichtet sie in jovialem bayrischen Akzent: „Es war stickig und dampfig im Zelt. Die Brez‘n vertrag‘ I net, weil da Gluten drinnen is‘. Da bin ich bald ’ganga“. Die Zuschauer feixen.

Wer die Rechnung bezahlt habe, wollte der Richter Rosenow dann natürlich wissen – darum geht es ja schließlich: „Ich war’s nicht.“, sagt sie und führte aus, dass so etwas üblicherweise ihr Mann übernehme und sie deshalb davon ausging, dass er es gewesen sei.

Der Ehemann sagte übrigens auch an diesem Tag aus und gab zu Protokoll, er sei davon ausgegangen, eingeladen gewesen zu sein. Von wem? „Vom Wulff.“ Schließlich habe man sich damals mit Wulff auf dem Oktoberfest nicht zu einem feucht-fröhlichen Abend verabredet, sondern er war sozusagen in offizieller Mission als Präsident der deutschen Zeitschriftenverleger unterwegs. Im Herbst 2008 liefen die gerade Sturm gegen Pläne der öffentlich-rechtlichen Sender, eine mit „Gebührenmilliarden“ finanzierte digitale Tageszeitung zu etablieren. Seine Frau hatte die Wulffs bei Dreharbeiten zu einem Tatort kennengelernt und dieses Treffen eingefädelt.

Mit dieser Aussage untermauerte Burda das Verteidigungsvorbringen von Wulff, nicht (nur) als Privatmann in München gewesen zu sein, sondern gerade auch als Ministerpräsident, um etwa mit Burda über die Medienpolitik der Länder zu sprechen. In diesem Fall hätte er seine Hotelkosten und die Spesen über die Staatskanzlei abrechnen können und tatsächlich von einer Einladung Groenewolds keinen Vorteil gehabt.

Der Prozess wird fortgesetzt, es folgen noch 17 Verhandlungstage.

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