Kriminalität

Straftaten auf niedrigstem Stand seit 1992

In diesen Tagen sind positive Nachrichten so wichtig, weshalb diese hier die meisten erfreuen dürfte: Seit 1992 gab es nicht mehr so wenig Straftaten wie im Jahr 2019. Die Kriminalstatistik (PKS) erfasste im vergangenen Jahr 5,43 Millionen Straftaten – die niedrigste Zahl seit 1992.

Mit Ausnahme der Strafverteidiger, die schließlich von Straftaten „leben“, dürfte das doch die Mehrheit der Bundesbürger erfreuen. Nie war Deutschland so sicher wie jetzt! Und 2020 wird die Statistik einen weiteren Rekord feiern. Aufgrund der #Coronakrise waren so viele Menschen zuhause wie selten zuvor. Das sind miese Zeiten für Verbrecher.

Bemerkenswertes und merkwürdiges

Zurecht und erfreulicherweise bemerkt der Autor des Artikels auf „Spiegel.de“, dass diese PKS nicht unumstritten ist, denn teilweise hat sie nur eine sehr begrenzte Aussagekraft. Durchaus bemerkenswert ist allerdings der Rückgang der Straftaten um ganze 10% im Vergleich zum Vorjahr. Beim Wohnungseinbruchsdiebstahl sind die Fallzahlen sogar von rund 167.000 im Jahr 2015 auf 87.000 im vergangenen Jahr gefallen. Auch bei der sog. Straßenkriminalität sowie den Kapitaldelikten gab es einen Rückgang.

Überaus merkwürdig ist dann allerdings dies: Die Herstellung, Verbreitung sowie der Besitz von Kinderpornografie ist um mehr als 60% angestiegen – fast doppelt so viele Tatverdächtige listet die Kriminalstatistik hier auf. Wie kann das sein? Besitzen oder tauschen die Deutschen jetzt tatsächlich mehr kinderpornografische Aufnahmen als früher? Quatsch!

Besonderheiten der Kriminalstatistik

Vieles spreche dafür, dass hier vor allem ein bisheriges Dunkelfeld aufgehellt wird, konstatiert der Autor auf „Spiegel.de“. Dem mag man zustimmen. Nie zuvor wurde der Kampf gegen die Verbreitung von Kinderpornografie so energisch geführt wie derzeit. Der Missbrauchsfall Lügde wird dazu beigetragen haben. Allein in dem Zusammenhang wurden unzählige Ermittlungsverfahren eingeleitet. Jedes einzelne Strafverfahren ist ein weiteres in der Statistik, auch wenn es immer um dieselben Aufnahmen und denselben Tatkomplex geht.

Gleichzeitig bekommt das Bundeskriminalamt (BKA) täglich Berichte vom National Centre for Missing and Exploited Children, einer US-amerikanischen Organisation, der die großen Anbieter (u.a. Google, Facebook, Microsoft und Netzanbieter) die in ihren Angeboten festgestellten Fälle von Kinderpornografie melden. Schon 2018 waren dies über 70.000 Hinweise. Auch daraufhin werden jeweils Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Zuzugeben ist, dass aber insbesondere unter Jugendlichen die unreflektierte Verbreitung zugenommen hat. Hier werden arglos Nacktaufnahmen von Mitschülerinnen und Mitschülern weiterverbreitet – auch hierbei kann es sich um die Verbreitung von Kinderpornografie handeln!

Mitnichten hat sich aber die absolute Anzahl von dem Interesse an Kinderpornografie geändert. Einzig hat die Strafverfolgung zugenommen.

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  • Der Millionenmarkt Kinderpornografie wird durch jede einzelne Missbrauchsabbildung vergrößert. Das zu bagatelisieren halte ich für falsch, da hinter jedem Bild ein Opfer steckt. Der Kreuzzug gegen Besitzer und Verbreiter kann nach Veröffentlichung solcher Zahlen erst so richtig beginnen!
    Das muss er auch, denn in Coronazeiten nimmt nicht nur häusliche Gewalt zu sondern bestimmt auch der Missbrauch zu, wenn Lehrer und Erzieher keine Chance haben mehr zu arbeiten. Durch die Gesetzesverschrfungen der letzten 30 Jahre profitieren Anwälte so wie vom Versuch des Versuchts online mit einem Kind zu chatten.

    • Welcher Millionenmarkt? Den gibt es m.E. nicht. Dazu gibt es auch eine Studie der Universität Hannover. Ich hatte noch nicht einen einzigen Mandanten, der den „Markt“ mit nur einem Euro finanziert hätte. Dagegen handelt es sich immer um dieselben Abbildungen, die teilweise schon seit Jahrzehnten kursieren und die faktisch nicht einzudämmen sind. Letztlich erwischt man meistens doch ohnehin nur die letzten Glieder der Kette. Dass man einmal die „Großen“ bekommt, ist ausgesprochen selten. Die sitzen üblicherweise auch gar nicht in Deutschland.

    • "Kinderpornographie" ist doch heute üblicherweise keine Pronographie im Wortsinn, sondern klassisches Sexting. Also Teenager die sich gegenseitig bei Instagram oder Snapchat Nacktbilder von sich schicken.

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Published by
Mirko Laudon

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